Google integriert DMoz
Das Open Directory wird auch schon von anderen Sites übernommen. Kein Wunder, es ist ja kostenlos. Nach jetzt fast 2 Jahren seiner Existenz scheint es aber an der Zeit für eine Neubetrachtung.
Die "etwas andere" Suchmaschine Google integriert das "etwas andere" Web-Verzeichnis DMoz, das einst unter dem Namen Newhoo ins Leben gerufen und dann von Netscape als Open Directory Project (DMoz) übernommen wurde, bevor AOL wiederum Netscape schluckte.
Newhoo deutet schon auf die Intention hin, welche von den Initiatoren einst verfolgt wurde. Ein neues Yahoo sollte entstehen, das mit dem "alten" nur die Idee eines thematischen Verzeichnisses gemein hat.
Ein offenes Verzeichnis sollte es in dem Sinne sein, dass praktisch jedermann zum Editor innerhalb des Verzeichnisses werden kann. Neueintragungen sollten demokratisch und vor allem schnell erfolgen. Nicht wie bei anderen Verzeichnissen in Abhängigkeit davon, wieviele Werbegelder für eine bevorzugte Position im Verzeichnisbaum gezahlt wurde.
Mittlerweile sollen tatsächlich über 20.000 Editoren an diesem Projekt beteiligt sein und in freiwilliger Arbeit am Wachsen des Verzeichnisses mitarbeiten, das inzwischen sogar von etlichen großen Sites (z.B. AltaVista, HotBot, Lycos etc.) gespiegelt wird. Und das auch noch kostenlos, denn das Open Directory Project verlangt kein Geld für die Übernahme seiner Inhalte.
Soweit der romatische Teil der DMoz-Story.
Die DMoz-Realität ist leider nicht ganz so schön. Schon ein oberflächlicher Blick in die Rubriken des Verzeichnisses zeigt, dass viele kommerzielle Projekte weitaus Besseres aufweisen können. Viele Rubriken sind lieblos zusammengehauen und manche Site wird - mit Sternchen versehen - als besonders empfehlenswert bezeichnet, obwohl sie es nun wirklich nicht verdient.
Aus Kreisen der Editoren wiederum ist teilweise Haarsträubendes zu hören. Viele Bereiche werden von ihren Editoren gegen jeden Änderungsvorschlag energisch verteidigt. Neuaufnahmen werden als unwichtig abgewiegelt und Änderungen in der Struktur schlicht abgelehnt. Dafür haben manche "Online-Promoter" ihre Claims abgesteckt und sorgen dafür, dass ihre Kunden in so viele Rubriken als möglich kommen. Hinter den Kulissen wird geschachert, wer wo hinein darf und wer nicht.
Nur weil die Übernahme kostenlos ist, wird das Verzeichnis dennoch auf vielen Sites gespiegelt. Der Aufbau eines professionellen Verzeichnisses, an dem konsequent und kompetent gearbeitet wird, kostet nun einmal ein Heidengeld.
Und mittlerweile machen sich viele der Sites, welche das Verzeichnis übernehmen, nicht einmal mehr die Mühe, auf die Urheber hinzuweisen. Obwohl das praktisch die einzige Bedingung ist, die von DMoz gestellt wird.
Der "Open Source" Gedanke NewHoos war schon zum Scheitern verurteilt, als Netscape das Projekt Herbst 1998 übernahm, um es für sein "Portal" zu verwenden. Der Todesstoß kam mit der Übernahme Netscapes durch AOL, denn damit war auch der letzte Anschein verschwunden, es handele sich um ein "Non-Profit-Projekt.
Aber auch ohne diese Entwicklung kränkelte das auf Selbstorganisation basierende Vorhaben von vornherein. Eine derart große Entwicklergemeinschaft kann sich nicht selbst organisieren, ohne Wildwuchs zu zeigen.
Wer will schon kontrollieren, ob Missbrauch betrieben wird und wer will diejenigen Editoren wieder feuern, die sich im Überschwang der Gefühle anmeldeten, um dann ihre Arbeit zu vernachlässigen?
Dass nun das Verzeichnis auch bei Google gespiegelt wird, stellt einen vorläufigen Höhepunkt des DMoz-Niedergangs dar.
Denn ebenso wie DMoz kann sich Google nicht entscheiden, auf welche Seite es eigentlich gehört: Auf die Seite der Kommerziellen, die mit ihrem Engagement geschäftliche Interessen verfolgen, oder auf die Seite der Nicht-Kommerziellen, die sich nur um der Gemeinschaft willen engagieren.
Bei Google wird dieser Eiertanz deutlich, wenn man die Haltung seiner Betreiber zum Thema Werbebanner betrachtet: Diese halten Werbebanner nicht für wünschenswert. Nur ASCII-Banner, bzw. "sponsored Links", dürfen geschaltet werden und das auch nur auf den Ergebnisseiten.
Die Startseite dagegen muss bis auf das Google-Logo frei von jeder Grafik bleiben. Schließlich gehört man ja nicht ins kommerzielle Lager. Aber auch ASCII-Banner, kosten Geld und haben dafür den Vorteil, nicht so schnell als Werbung enttarnt zu werden.