Google übernimmt Applied Semantics
Die Suchmaschine bleibt ihrem Kurs treu. Die Ausweitung der Textwerbung auf externe Content-Angebote wird durch die aktuelle Übernahme erleichtert.
Google geht wieder auf Einkaufstour. Dieses Mal vermeldet die führende Suchmaschine den Kauf von Applied Semantics. Das kalifornische Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, (Text-) Inhalte zu analysieren, um die geeignete Werbung auf den entsprechenden Seiten einzublenden.
Die Übernahme fügt sich in das Gesamtbild, das sich nach den Entwicklungen der letzten Monate ergibt. Googles Modell der zielgruppen-adäquaten Textwerbung trotzt dem Trend und scheint so erfolgreich, dass die eigenen Ergebnisseiten als Werbeoberflächen nicht mehr genügen.
Dieses Potential lässt sich zwar durch Partnerschaftsabkommen mit "Portalen" erweitern, die die Suchfunktion Googles übernehmen. Doch die Suchmaschine exportiert ihre Werbeeinblendungen zunehmend auch auf Content-Angebote, die nichts mit der Suche im WWW zu tun haben.
So wurde Anfang März das Programm der "content-targeted ads" gestartet. Inhalt dieses Programms ist im Grund schlicht die Vermarktung von Content-Sites mit mehr als 20 Millionen Page Impressions im Monat.
Eine weitere Möglichkeit zur Erschließung neuer Werbeoberflächen ergab sich dann aus der Übenahme von Pyra Labs (Blogger.com). Auch die vielen Tausend dort gehosteten Blogs sollen zumindest teilweise schon mit Textwerbung beschickt werden.
Doch diese Erweiterungen stellen Google vor neue Probleme. Auf den Ergebnisseiten der Suchmaschine kann die Textwerbung entsprechend der eingegebenen Suchbegriffe eingeblendet werden. Wer nach "Spam" sucht erhält beispielsweise Werbung für Anti-Spam-Software. Externe Inhaltsseiten müssen dagegen semantisch typologisiert werden, um die damit anzusprechende Zielgruppe zu ermitteln.
Genau das ist die Zielsetzung von Applied Semantics. Die Technologie des Unternehmens macht es möglich, das geeignete Content-Angebot automatisiert mit der adäquaten Text-Werbung zusammen zu führen. Je treffgenauer dies erfolgt, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Googles Bedarf an Werbeoberflächen auch in Zukunft weiter wächst.
Das ist im Grunde eine positive Entwicklung, denn Googles Zielsetzung lautet, dass Werbung eine Hilfe und kein Ärgernis sein soll. Schade nur, dass die Online-Werbebranche insgesamt diese Einsicht noch nicht teilt.
Erst müssen wohl noch die letzten Werbewilligen ihre Etats in sinnlosen Pop-Up Kampagnen "verbraten" haben, bis die Branche den offensichtlichen Zusammenhang zwischen Verärgerung der Anwender und mangelhaftem Werbeerfolg akzeptieren will.