10.06.2003

Der größte Erfolg seit Hula Hoop

Es ist schon traurig: Die New York Times feiert das Irak-Kartenspiel der Defense Intelligence Agency als Verkaufserfolg. Trotz millionenfachem Spam.

Ein aktueller Beitrag der New York Times dürfte viele Spammer in ihrem Handeln und ihrer Weltsicht bestätigen. Die Zeitung beschreibt den Verkaufserfolg des Kartenspiels "Iraqi Most Wanted".

Die Idee für dieses Kartenspiel war im April von der Defense Intelligence Agency, dem militärischen Nachrichtendienst des US-Verteidigungsministeriums aufgebracht worden. Die Karten des Spiels wurden im WWW veröffentlicht. Und wie nicht anders zu erwarten, übernahmen mehrere Unternehmen die Idee und auch die Vorlagen des Kartenspiels.

Die New York Times berichtet nun über den Erfolg des Plagiators JDR Media. Der hinter diesem Firmennamen stehende Unternehmer setzte auf "Mail-Marketing" zur Bewerbung seines Produktes. Schon im ersten Schwung verschickte er zwei Millionen Mails. Und bereits nach fünf Minuten soll die erste Bestellung eingegangen sein.

Insgesamt wurden dann noch "Hunderte von Millionen Mails" verschickt und JDR Media verkaufte über seine Site GreatUSAflags.com 1,5 Millionen Kartenspiele. Andere Anbieter konnten eine weitere Million Spiele verkaufen. Diese Unternehmen und die Reseller von JDR Media - ihre Zahl wird mit 1.500 angegeben - setzten teilweise auch auf Spam, um den Verkauf anzukurbeln.

Dabei hatte keiner dieser Unternehmer bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon eine greifbare Version des Kartenspiels in Händen gehalten. Dennoch erhielten sie innerhalb kürzester Zeit Abmahnungen von der United States Playing Card Company, dem größten Hersteller von Kartenspielen in den USA.

Die Abmahnungen erfolgten, weil - kleines Detail am Rande- das Verteidigungsministerium selbst geistiges Eigentum verletzt hatte. Der Joker des Kartenspiels war einem Spiel des genannten Unternehmens entnommen und urheberrechtlich geschützt. Die Abgemahnten sollten also damit aufhören, das vom Verteidigungsministerium widerrechtlich Entlehnte zu übernehmen.

Da aber die United States Playing Card Company selbst auch an den Gewinnen aus dem Irak-Spiel beteiligt sein wollte, akzeptierte man einen Großauftrag der JDR Media und erlaubte damit die Nutzung des Jokers.

So zeigt der Beitrag trefflichst, wie man mit Hilfe des Internet einen Verkaufserfolg erzielt. Es genügt ein Verteidigungsministerium, das aus einem Krieg ein Spiel macht, sowie Spammer, denen die Privatspäre der Anwender egal ist. Der Verkaufserfolg stellt sich dann schon ein, wenn genügend patridiotische Anwender eine hinreichend große Zahl von Spam-Mails erhält. Dann stellt man selbst den Verkaufserfolg der mindestens ebenso nützlichen Hula Hoop Reifen in den Schatten.

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