Volltext-Suche bei Amazon?
Amazon plant, mit einer neuen Suchfunktion jene Käuferschichten anzulocken, die auch bei konkreten Kaufinteressen lieber Google konsultieren.
Amazon will mit einer neuen Suchfunktion der immer stärker werdenden "Erst-Suchmaschine" Google entgegentreten. Bücher sollen zukünftig digital erfasst werden, um ihre Inhalte nach bestimmten Begriffen durchsuchbar zu machen.
Wie die New York Times erläutert, stehen viel Buch- beziehungsweise Shop-Angebote vor dem Problem, dass Anwender Google zunehmend als Allround-Suchmaschine verstehen. Das heißt, sie benutzen Google auch, um gezielt nach Waren oder Dienstleistungen zu suchen.
Nicht nur das Shop-Verzeichnis Froogle zeigt, dass Google dieser Trend nicht verborgen bleibt. Auch bei der ganz normalen Google-Suche lässt sich eine gewisse Einseitigkeit der Ergebnisse feststellen.
Das Slate-Magazin hat diese Shop-Orientierung jüngst sogar als "Googlehole No. 1" bezeichnet: Die Top-Suchergebnisse haben demnach immer eine Art "Shopping-Drall". Um dies am Beispiel zu verdeutlichen: Wer nach "Blumen" sucht, findet seitenweise Floristen. Nicht-kommerzielle Blumen-Informationen findet man erst nach einigem Blättern.
Für kommerzielle Anbieter wie Amazon bedeutet dies eine zunehmende Abhängigkeit von Google. Schon jetzt zählt Amazon zu den wichtigsten Werbekunden der Suchmaschine. Da scheint es nachvollziehbar, dass Amazon durch eine verbesserte Suchfunktion versucht, hier wieder an Boden zu gewinnen.
Mit "Look Inside the Book II" soll es möglich werden, eine Vielzahl von Bücher gleichzeitig nach bestimmten Suchbegriffen zu durchforsten. Wird der Anwender fündig, so kann er eine mehr oder weniger große Textstelle zur Probe einsehen. Hält er das Werk für hinreichend interessant, steht ihm der Weg zur Amazon-Kasse offen.
Doch die Umsetzung des Projektes hat ihre Tücken. Belletristische Werke scheiden von vornherein aus, da es aus kommerzieller Sicht weitgehend sinnfrei erscheint, deren Inhalte für die Suche zu erschließen. Doch auch im Bereich "Non-Fiction" sind nicht alle Werke für die Amazon-Suche geeignet.
Nachschlagewerke oder Kochbücher scheiden beispielsweise von vornherein aus. Würde man es hier dem Anwender anbieten, einige Seiten im Umfeld eines gesuchten Begriffs kostenlos einzusehen, dann würde sich für ihn der Kauf des Werks mit großer Wahrscheinlichkeit erübrigen.
Doch auch bei den verbleibenden Titeln stellen sich Probleme. Zunächst einmal sind viele Verlage nur vorsichtig optimistisch, was die Amazon-Pläne angeht. Sie sehen beispielsweise die Gefahr der Piraterie und verlangen in dieser Hinsicht weitere Sicherheiten Dazu zählt auch die Option, die Titel schnell aus der Amazon-Datenbank entfernen zu dürfen.
Hinzu kommen rechtliche Probleme mit den Autoren. Diese erlauben es den Verlegern zwar üblicherweise, dass einige Seiten als Leseproben veröffentlicht werden. Doch bei Amazons müsste das gesamte digitalisiert werden. Und das würde nach Ansicht der Autoren eine erweiterte Lizenzierung - also höhere Tantiemen - bedeuten.
Trotz all dieser Probleme scheint "Look Inside the Book II" bei amazon hohe Priorität zu genießen. Selbst die hohen Kosten der Digitalisierung - von über 200 Dollar pro Buch ist die Rede - scheint man nicht zu scheuen. Obwohl Amazon ansonsten vor allem eine Strategie verfolgt: Sparen, wo es nur geht.