TLD .nu vor dem Aus?
Die Insel Niue verliert nach dem Wirbelsturm Heta weiter Einwohner. Damit wird ihr Status als eigenständige Nation gefährdet. Die Kontrolle über ccTLD .nu musste sie ohnehin schon aufgeben.
Der Wirbelsturm Heta hat auf der Pazifikinsel Niue schwere Schäden angerichtet. Das und die weiter anhaltende Landflucht der Inselbewohner lässt die Slashdot-Community darüber diskutieren, wie lange es die country code Top Level Domain .nu wohl noch geben mag.
Der Sturm vom Dienstag vergangener Woche scheint dabei außergewöhnlich heftig gewesen sein. Bis zu 30 Meter hohe Wellen haben das Eiland verwüstet. Und die Bewohner der Insel hatten kaum eine Chance, sich in Sicherheit zu bringen. Denn die höchste Erhebung der Insel ist gerade 68 Meter hoch. Und ein Verlassen der Insel der hafenlosen Insel ist fast ausschließlich auf dem Luftweg möglich.
So ist die von der Sunday Star geäußerte Prognose von einer weiteren Landflucht in Folge des Sturms nicht einfach von der Hand zu weisen. Schon in den vergangenen Jahren sank die Zahl der Einwohner stetig. Von 5.200 im Jahr 1966 auf 2.100 im Jahr 2002. Heute werden gerade noch 1.200 Einwohner gezählt.
Sollte diese Zahl aber noch weiter sinken, dann wäre der Status einer eigenständigen Nation kaum mehr haltbar. Schon jetzt ist das Inselreich von Finanzspritzen Neuseelands vollständig abhängig. Eine Angliederung an den viel größeren Partner ist schon per Parlamentsvorlage im Gespräch.
Doch was geschieht dann mit der ccTLD des Landes? Sollte alles mit rechten Dingen zugehen, dann müsste diese TLD wie mehrere andere TLDs in der Vergangenheit aufgegeben werden. Ob es aber soweit kommt, bleibt abzuwarten.
"Mit rechten Dingen" ging es nämlich bei dieser TLD bisher noch nie zu. So stellt es jedenfalls Gerald McClurg vom Niue Information Technology Committee in einem Bericht für den ccTLD Workshop der ITU (Vereinte Nationen) dar.
Nach diesen Informationen ist die Domain-Vergabe unter .nu eine Folge von Schwindeleien und Betrügereien, deren Opfer die Regierung Niues wurde. Das alles nahm seinen Anfang, als die IANA im Jahr 1997 die TLD an die "Internet Users Society - Niue" (IUSN) delegierte. Das war damals ganz normaler Vorgang, solange ein TLD-Aspirant die "Community" eines Landes hinter sich wusste. Oder zumindest, wenn er gegenüber dem IANA-Chef und Internet-Guru Jon Postel (gest. 1988) so tat, als ob.
Letzteres scheint bei der Vergabe der TLD .nu der Fall gewesen zu sein. Denn keiner der drei IUSN-Mitgleder war Einwohner von Niue. Der als Admin-c eingetragene Stafford Guest ist wohl der einzige, der auf Niue lebt. Der als Tech-c eingetragene US-Amerikaner William Semich hat wohl inzwischen die Kontrolle über den Verkauf der Domains übernommen. Eingefädelt wurde das Ganze aber durch den US-Amerikaner Richard St. Clair, der als ehemaliges Mitglied des amerikanischen Friedenskorps für die Kulisse sorgte, mit der IANA über die wahren Verhältnisse getäuscht wurde.
Wie McClurg weiter berichtet, gab es seitens der Regierung Niues mehrere Versuche, die Kontrolle über die TLD wieder zu gewinnen. Doch bisher waren alle dieser Versuche zum Scheitern verurteilt. Die ICANN ignoriert demnach seit Jahren die Aufforderung der Regierung zur Redelegation.
Selbst der Hinweis darauf, dass die IUSN die der Regierung zustehende Domain gov.nu für sich registrierte und "eigene" Regierungsinformationen verbreitete, half da nicht weiter. Noch nicht einmal der Hinweis, dass unter .nu viele Porno-Sites betrieben werden, ließ das hinter der ICANN stehende Handelsministerium aufhorchen.
So werden auch die Vorkommnisse der letzten Monate etwas verständlicher. Als die IUSN etwa einen inselweiten WiFi-Zugang installierte, zeigte sich die Regierung wenig zugänglich. Sie verbot die Sendeanlage, da sie ohne Genehmigung betrieben wurde.
Nach der damaligen Pressedarstellung konnte man den Eindruck gewinnen, auch im Pazifik wiehere der Amtsschimmel. Nachdem aber zuvor die IUSN auch die Web-Site der Regierung manipulierte, um Kritik am eigenen Unternehmen zu ersticken, war dieses Verbot wohl unvermeidbar.