Ford distanziert sich...
Auch Werbeinhalte unterliegen Regeln. Beim viralen Marketing fällt es allerdings schwer, die Nichteinhaltung zu sanktionieren. Das zeigt eine Autowerbung, in der eine Katze getötet wird.
Beim Thema "Virales Marketing" bekommen Marketing-Experten mittlerweile gänzende Augen. Der Autohersteller Ford zeigt, dass man damit sogar Werbung machen kann, wenn man sich gleichzeitig davon distanziert.
Mit Hilfe kleiner Film-Spots, die nur im World Wide Web verbreitet werden, wirbt Ford in Großbritannien für den "Sportska", den "bösen Zwilling" des Ford Ka. Viele werden den bereits vor Monaten freigegegebenen Spot kennen, in dem ein geparkter Sportka eine anfliegende Taube mit einer schnellen Öffnung der Haube davonkatapultiert.
Schon dieser Spot sorgte für Ärger bei Tierschützern, denn er verstieß gegen das ungeschriebene Gesetz der Werbung, dass Tiere in solchen Filmen nicht misshandelt werden dürfen. Selbst in der Wursterbung haben Kühe und Schweine gefälligst glücklich zu sein.
Ein weiterer Sporka-Spot geht aber noch weiter. Er zeigt einen schwarzen Sporka, in einer idyllischen Vorstadtstraße geparkt, die Vögel zwitschern. Als eine Katze am Sportska vorbeikommt, öffnet sich das Schiebedach und die Katze klettert neugierig auf den Wagen. Doch sobald sie den Kopf in das Fahrzeuginnere steckt, fährt das Dach zu, die Katze wehrt sich noch kurz, doch dann fällt ihr Kopf ins Wageninnere. In der anschließenden Stille gleitet der tote Körper der Katze vom Wagen.
Damit hat sich Ford alle Katzenliebhaber zum Feind gemacht, möchte man meinen. Doch Ford distanziert sich von der Werbung. Der Spot sei vom Auftraggeber als auch von der beauftragten Agentur Ogilvy & Mather als unannehmbar abgewiesen worden. Eine interne Untersuchung soll jetzt klären, wie der Streifen doch in die Internet-Öffentlichkeit gelangen konnte. Man möchte fast wetten, dass der Verantwortliche nie gefunden wird.
Doch davon abgesehen stellt sich eine für die Werbekultur wichtige Fragen: Sind ethische Standards in der Werbung überhaupt noch haltbar, wenn die Verursacher sich für nicht verantwortlich erklären?
Die Frage ist nicht unangebracht, denn Aufsehen erregen will Werbung und das Stilmittel "Schock" ist sehr beliebt. Die Ergebnisse können in Grenzfällen dann kontrovers diskutiert werden, wie die Benneton-Werbung schon oft gezeigt hat. Das Gleiche gilt wohl auch für die Sportska-Werbung.
Aber besteht nicht die Gefahr, dass beim viralen Marketing immer mehr Grenzen bewusst überschritten werden, weil man sich so leicht von der Veröffentlichung distanzieren kann? Werden die Grenzen hier erst durch unerträglich schlechten Geschmack definiert?