Schuldspruch für Google-Erpresser
Ein Programmierer erpresste Google mit einer Software, die Adsense-Klicks erzeugen kann. Eine Geschworenen-Jury bezeichnet ihn als schuldig. Dabei war seine Software nicht überzeugend.
Der Programmierer Michael Bradley der Google im März dieses Jahres zur Zahlung einer größeren Geldsumme wollte, wurde von einem Geschworenengericht wegen erpresserischer Handlungen und wegen Betrugs für schuldig befunden.
Welche Strafe ihm jetzt droht, hängt von der Entscheidung des Richters ab. Für jeden der beiden Klagepunkte könnte er bis zu 20 Jahren Haft bekommen. Doch die Berücksichtung der Umstände kann zu weit niedrigeren Strafen führen. Allerdings vermittelt die Klageschrift keinen besonders erfreulichen Eindruck.
Bradleyhatte am 2. März unter falschem Namen Kontakt zu Google aufgenommen und den Kauf seiner Software "Clique" angeboten. Diese Software habe er im Auftrag entwickelt, sein Kunde wolle aber nicht zahlen. Die Software erzeuge falsche Klicks auf den Adsense-Anzeigen Googles.
Zu Testzwecken seien 10 Sites eingerichtet und beim Adsense-Programm angemeldet worden. Mit Hilfe von Clique sei es möglich gewesen, auf jeder von ihnen Adsense-Einnahmen von über 3.000 Dollar zu erreichen. 60.000 Dollar oder zwei Monatsumsätze sowie einen "Vertrag mit Google" halte er für eine angemessene Bezahlung. Ansonste gäbe es noch die Möglichkeit, die Software zum Stückpreis von 250 Dollar zu verramschen.
Am 8. März informierte Google die Polizei und vereinbarte kurz darauf ein Treffen mit Bradley. Zwei Ingenieure empfingen Bradley, das Treffen wurde in Ton und Bild aufgezeichnet. Der Programmierer erzählte zunächst, dass er angeblich "seine erste Million mit Spam gemacht" hat. Für 50.000 Dollar hatte er dazu einen HotMail-Mitarbeiter zur Herausgabe von Adressen gebracht.
Die gesamte Datenbank der Personalvermittlung Monster.com will er bei anderer Gelegenheit durch einen Trick abgesogen haben. Inzwischen verlangte er auch 100.000 Dollar für seine Software. Sollte Google nicht darauf eingehen, werde er Clique den "Top 100 Spammern" verkaufen. Das Treffen endete ohne Ergebnis.
In weiteren Mails trumpfte Bradley noch mehr auf und verwies auf eine inzwischen eingerichtete Web-Site, auf der er seine Software beschrieb und zum Verkauf anbot. Beim nächsten Treffen sprach er dann schon mit einem Ermittler, der sich als Google-Manager ausgab. Ihm gegenüber wiederholte er seine Forderungen. Am Ende des Gespräch wurde er verhaftet.
Wie sich herausstellte, hatte der Täter tatsächlich mit zwei Sites am Adsense-Programm teilgenommen. Und tatsächlich hatte er mit einer von ihnen Adsense-Einnahmen in Höhe von 3.600 Dollar erzielt.
Doch erst hatte Google den Adsense-Vertrag aufgehoben und dann den bereits verschickten Scheck gesperrt. Der Grund für diese Maßnahmen war ganz einfach: Das Überwachungssystem Googles hatte den Betrug schon im ersten Monat der Clique-Nutzung auffliegen lassen. Für den Spam-Millionär war das ein harter Schlag, denn sein Konto war 1.500 Dollar in den Miesen.
Reuters: Calif. Man Faces Fraud Charges Over Google Scheme