NIH schlägt Open Access Modell vor
Nachdem sich in der vergangenen Woche 25 amerikanische Nobelpreisträger für ein Open Access-Modell für wissenschaftliche Publikationen ausgesprochen haben, schließen sich jetzt die "National Institutes of Health" (NHI) der Forderung vorsichtig an. Die staatliche Stiftung fördert die medizinische Forschung in den USA jährlich mit 28 Milliarden Dollar.
Noch handelt es sich eher um einen Diskussionsvorschlag (vgl.: NIH-"Notiz"), denn um ein eine Entscheidung. Doch die Aufrechterhaltung des jetzigen Zustands ist für NIH Direktor Elias A. Zerhouni "keine Option". Und das scheinen inzwischen auch die Wissenschaftsverlage erkannt zu haben.
Diese fürchten aber nach wie vor um ihre Pfründe. Wenn die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung frei zugänglich gemacht werden, wird ihrer Meinung nach etlichen Publikationen die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Das Gleiche gelte für Forschungszirkel, die sich über die Einnahmen der Zeitschriften finanzieren.
Zerhouni dagegen ist der Auffassung, dass die Negativ-Prognosen der Verlage "fernab der Realität" liegen. Ihm geht es in erster Linie darum, dass die von Steuermitteln finanzierte Forschung auch dem Steuerzahler zur Verfügung steht. Damit wird nicht nur der Bereich der Forschung angesprochen. Auch Patienten und ihre Angehörigen, die sich informieren möchten, sollen dies künftig ohne Kosten tun können. Derzeit müssen für den zugang zu einzelnen Artikeln bis zu 30 Dollar Gebühr gezahlt werden.
Aber gleichzeitig sieht Zerhouni weiterhin eine wichtige Rolle bei den Verlagen und ihrer redaktionellen Aufgabe im Sinne der "Peer Review". Auch zukünftig sollen die mit den Zeitschriften assoziierten Wissenschaftler eine redaktionelle Auswahl der akzeptierten Beiträge vornehmen und die Endredaktion dieser Artikel begleiten. Und auch in Zukunft sollen diese Beiträge zunächst in kostenpflichtigen Publikationen der Verlage erscheinen. Zusammen mit anderen redaktionell erstellten Informationen wie beispielsweise Forschungsnachrichten, die ja auch einen Anreiz für ein Abonnement darstellen sollten.
Das Open Access-Modell soll daher nach dem NIH-Vorschlag erst mit einer zeitlichen Verzögerung greifen. Spätestens sechs Monate nach Veröffentlichung in einer Publikation sollen die Artikel auch in einer frei zugänglichen Datenbank des NIH erscheinen. Das ist nach Meinung von Zerhouni nicht zuviel verlangt und keineswegs ein wirtschaftlicher Totalschaden für die Verlage.
Zumal, wie er feststellt, nur etwa ein Drittel aller in den medizinischen Fachzeitschriften erscheinenden Artikel von den NHI öffentlich geförderte Forschung betrifft. Auch sollten die Verlage nicht vergessen, dass die Freigabe der Beiträge den Publikationen (international) größere Sichtbarkeit verschafft. Und auch für wissenschaftliche Produkte könne Publicity von Vorteil sein.