DVD-on-Demand in Sicht?
Der Video-Verleih Netflix hat die Vorteile des Internet bereits früh erkannt. Auch jetzt zeigt sich das Unternehmen wieder innovativ. Gerüchten zufolge soll zusammen mit TiVo neben dem bisherigen Postversand bald auch eine Online-Distribution der bestellten Filme möglich sein.
Details über das Abkommen sind derzeit nicht bekannt. Doch wie Newsweek unter Berufung auf Insider berichtet, sind die Verhandlungen bereits weit gediehen und nur noch der TiVo-Vorstand muss seine Zustimmung geben. Und wie der Insider weiter meint, braucht man nicht viel Phantasie, um sich die Details des Abkommens zu denken.
Auch Aussagen des NetFlix-CEO Reed Hastings bestätigen das. Er hat schon früher prognostiziert, dass bis zum Ende des Jahrzehnts die meisten aller Bestellungen online ausgeliefert würden. Schließlich habe man sich absichtlich für die Bezeichnung "Netflix" entschieden und nicht für den Namen "DVDs mit der Post" ("DVD by Mail").
Bisher müssen Netflix-Kunden meist zwei bis drei Tage warten, bis ihre bestellten Leih-DVDs mit der Post ausgeliefert werden. Maximal drei DVDs dürfen gleichzeitig ausgeliehen sein, was mit zusätzlicher Wartezeit verbunden sein kann. Denn erst dann, wenn die DVDs wieder bei Netflix eingetroffen sind, verlässt die nächste Lieferung das Haus.
Eine Online-Distribution auf die digitalen TiVo-Recorder würde da einige Vorteile bieten, selbst wenn der Versand über einen Breitband-Anschluss immer noch Stunden dauert. Besonders vorteilhaft wäre dies bei Neuerscheinungen, bei denen sonst ein Mangel an physikalischen Datenträgern für Wartelisten und entsprechende Wartezeiten bei der Auslieferung sorgen. Mit digitalen Online-Kopien könnten solche Spitzen viel leichter aufgefangen werden.
Die Frage ist, ob das vorgesehene Rechte-Management den Anforderungen der Filmindustrie und damit den Inhabern der Urheberrechte genügt. Dazu wäre weiterhin zunächst die Frage zu klären, ob bei dem Deal ein Streaming-Lösung - mit vermutlich niedriger Qualität - zum Tragen kommt, oder ob komplette Downloads in hoher Qualität vorgesehen sind. Insbesondere im letztgenannten Fall müssten TiVo und Netflix Möglichkeiten vorsehen, das Kopieren dieser Kopien zu verhindern. Denn für die Filmstudios wäre es eine Horror-Vorstellung, wenn zunehmend hochwertige DVD-Kopien statt den bisherigen (Screen-) Rips in den Tauschbörsen auftauchen.
Doch nicht nur urheberrechtliche Probleme könnten das Vorhaben behindern. Die Frage ist auch, wie die Kabelnetzbetreiber - als bisher wichtigste TiVo-Partner - auf das Vorhaben reagieren. Die Newsweek spekuliert in diesem Zusammenhang, dass diese zum Schutz ihrer eigenen Video-on-Demand Angebote den Netflix-Datenverkehr behindern oder ausschließen könnten.
Aber das könnte sich zum Bumerang entwickeln. Denn Netflix bietet eine weitaus größere Filmauswahl als die Kabelnetze, die sich meist auf wenige Dutzend Mainstream-Filme beschränken. Würden die Kabelnetze nun das Netflix-Angebot behindern, so könnten sich ihre Kunden genausogut für ein DSL-Angebot der Telekommunikationsunternehmen entscheiden.