Ärger unter den 'Barrierefreien'
Ein Alleingang des Aktionsbündnis' für barrierefreie Informationstechnik (AbI) sorgt für Verärgerung beim Barriere Kompass, einer weiteren Organisation, die sich für eine behindertengerechte Nutzung des Internet stark macht.
Dabei müsste man aufgrund der verwandten Ziele annehmen, dass der AbI-Plan zur Einführung einer "Einheitlichen Qualitätskennzeichnung für barrierefreie Internetseiten" von beiden Gruppen getragen wird.
Doch das ist nicht der Fall. Vertreter von Barriere Kompass argumentieren in einem offenen Brief, dass eine solche Zertifizierung nur dann möglich ist, wenn eine objektiv bewertbare Grundlage besteht. Doch die gebe es nicht. Die Pläne des AbI seien noch dazu darauf ausgerichtet, einzelnen Behindertengruppen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als anderen. Das sei kontraproduktiv, denn es laufe auf eine einseitige Barrierefreiheit hinaus.
Und das vielleicht wichtigste Argument: Die Kosten einer solchen Zertifizierung durch den von AbI gewählten Partner DIN CERTO wären gerade für kleinere Agenturen zu hoch und daher "ein absolutes KO-Kriterium". Agenturen, die bisher schon engagiert barrierefreies HTML praktizieren, könnten diese Kosten weder selbst tragen, noch an die Kunden weiter geben. Doch durch die Einführung eines Zertifikates würde der Druck auf Seiten der Auftraggeber ansteigen, eine solche kontrollierte Überprüfung auch zu verlangen. Sei es aus Image-Gründen, oder als Gütesiegel eines ansonsten für den Laien kaum nachprüfbaren Leistungsmerkmals.
Der Informatiker Wolfgang Wiese (XWolf) dazu in seinem Blog: "Mir scheint, die Kommerzialisierung des Produkts 'Barrierefreiheit' ist nunmehr in vollem Gange". Und ein Produkt muss kostenseitig auf Stromlinie gebracht werden. Das geht in diesem Fall am besten, wenn man sich idealistischer Vorstellungen entledigt und samt ihrer Vertreter über Bord wirft.