28.02.2005

Google-Hintergründe

Die US-Ausgabe des GQ-Magazins veröffentlicht einen Beitrag des Journalisten John Heilemann, der sich ausführlich mit der Entstehungsgeschichte Googles und mit den Charakteren der beiden Google-Gründer beschäftigt.

Der Beitrag liefert viel Anekdotisches, was vielleicht dazu beiträgt, die Situation um Larry Page, Sergey Brin und den "Schoßhund-Firmenchef" Eric Schmidt etwas besser zu verstehen.

Interessant ist beispielsweise das als unorthodox wahrgenommene Vorgehen beim Einwerben der ersten Investitionen. Brin und Page beharrten damals darauf, mit zwei "Venture Capitalists" (Risikokapitalgebern) gleichzeitig und zu gleichen Teilen ins Geschäft zu kommen, obwohl beide - Kleiner Perkins und Sequoia Capital - sich eindeutig gegen eine solche Kooperation aussprachen. Die Beziehung zwischen beiden Unternehmen war fast schon feindselig. Brin und Page setzten den Unternehmen aber die Pistole auf die Brust und drohten damit, andere Kapitalgeber direkt anzusprechen. Ein Vorgehen, das für ein geldhungriges Start-Up eher ungewöhnlich sein dürfte.

Doch solche und andere Begebenheiten zeigen, dass die Firmengründer wohl sehr hartnäckig bei der Durchsetzung ihrer Ziele sind, und auch ständig Dinge hinterfragen. "Selbst wenn eine göttliche Macht klare Instruktionen geben würde, hätten die beiden noch offene Fragen".

Was allerdings nicht bedeutet, dass Brin und Page nicht auch Zugeständnisse machen müssen. Etwa, wenn es um den Ausgabepreis der Aktien geht, der nachträglich nach unten korrigiert werden musste. Oder auch ganz banal, wenn Page es schafft, sich am Tag des Börsengangs beim Frühstück mit seinem "Milliarden-Hintern" in einen Topf mit Crème fraîche zu setzen. Und die oft als "genial" bezeichneten Männer denken teilweise auch höchst elitär und sind manch sogar richtig pedantisch. Etwa dann, wenn sie bei Bewerbungsgesprächen von den Bewerbern Einblick in die Mitschriften aus Schulzeiten verlangen.

Insgesamt vermittelt Heilemann mit seinem Artikel ein etwas besseres Verständnis, das über das bereits bekannte Bild der "genialen Google-Gründer gg. eine einfallslose, aber harte Geschäftswelt" hinausgeht. Beschrieben wird beispielsweise auch, wie wichtig die Rolle von Bill Campbell ist, der als eine Art Coach zwischen "Jugend und Erfahrung" vermittelt und der von Heilemann als eine Art "unbekannter Held" dargestellt wird, der hinter den Kulissen agiert. Ohne ihn, so heißt es, gäbe es Google nicht.

Dabei wird von dem Autor mehr oder weniger deutlich ein immer wieder kehrendes Muster im Verhalten von Brin und Page beschrieben, in dem sich möglicherweise auch ein Risiko verbirgt: Brin und Page haben gemeinsam eine Suchmaschine entwickelt, als jedermann wusste, dass die Internet-Suche "tot" ist. Sie haben ein Geschäftsmodell aufgebaut, das auf Werbung basiert, obwohl jedermann weiß, dass das nicht geht. Sie haben zwei Kapitalgeber gegen sich aufgebracht, obwohl sie "deren Ringe küssen müssten".

Kurz, sie haben gelernt, dass man konventionelles Wissen umgehen und dabei erfolgreich sein kann. Doch das beinhaltet die Gefahr, dass sie aus dieser Wahrnehmung den Trugschluss ziehen, das wichtigste Merkmal einer guten Idee sei es, dass alle anderen sie für dumm halten.



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