28.02.2005

Abrechnung via IP?

Das im vergangenen Jahr in Österreich gestartete Zahlungssystem "bill-it-easy", bei dem die Abrechnung durch die Identifizierung der genutzten IP erfolgt, kommt nun auch nach Deutschland.

Wer sich aufgrund einer mittlerweile etwas verbesserten rechtlichen Lage oder aufgrund seines DSL-Anschlusses halbwegs sicher vor Dialern fühlte, muss möglicherweise bald wieder umdenken. In Österreich bietet die montax payment service GmbH seit Monaten ein Zahlungssystem, bei dem sich ein Klick auf einen kostenpflichtigen Link auf der nächsten Telefon- beziehungsweise Provider-Rechnung bemerkbar macht.

Das "bill-it-easy" Verfahren baut darauf auf, dass jedem Internet-Anschluss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte IP zugewiesen ist. Diese Zuordnung kann beispielsweise bei der Nutzung kostenpflichtiger Inhalte (z.B. P0rn-Site) zur Authentifizierung dienen, wobei die Daten des IP-Nutzers einer Rechnungsstelle übergeben werden. In Österreich kann montax nach eigenen Angaben immerhin 1,8 Millionen Provider-Kunden diese Zahlungsmöglichkeit bereits anbieten und angeblich wird das Verfahren auch genutzt, denn durchschnittlich soll bisher jeder Nutzer des Systems 20 Euro pro Monat via bill-it-easy ausgegeben haben.

Allerdings stößt bill-it-easy nicht nur auf Begeisterung. Computerbetrug.de, Dialerschutz.de sowie NetworkSecure.de warnen vor den Gefahren eines noch hypothetischen "IP-Dialers". Nach Darstellung dieser Dienste bietet das Verfahren zu viele Gefahren und Missbrauchsmöglichkeiten, als dass es einer breiten Masse von Anwendern ohne deren Zutun zugemutet werden könnte.

Montax wiederum trägt mit seiner Informationspolitik nicht dazu bei, diese Bedenken aus der Welt zu schaffen. So verweisen die Kritiker des Verfahrens auf die Online-Informationen des Unternehmens, wonach für den Kunden weder eine Registrierung noch ein Passwort notwendig ist. Diese Darstellung kann man tatsächlich dem Punkt "Vorteile für Internet User" entnehmen.

Laut der aktuellsten montax Pressemitteilung - leider ohne Datumsangabe - heißt es dagegen wörtlich: "Um mit 'bill-it-easy' online zu bezahlen, sind konkret folgende Schritte notwendig: Der Anwender erstellt sein persönliches Profil bei seinem Internet oder Handyanbieter. Danach bekommt er ein Passwort auf sein Handy geschickt, das er beim Online-Kauf eingibt (oder er verwendet ein Passwort, das er bereits von seinem Internet-Anbieter bekommen hat)".

Auch was die Reichweite des Systems angeht, gibt es unterschiedliche Angaben. Laut montax sind Deutschland, Österreich und die Schweiz Zielmärkte, die man kurz- oder mittelfristig erreichen möchte. Die Telekom-Tochter T-Systems dagegen berichtet in einer Pressemitteilung vom 19. Januar, dass das Verfahren bereits jetzt in allen drei Ländern genutzt werden kann. Als Prognose für das Jahr 2007 rechnet man demnach mit bis dahin 1 Million erreichter Kunden.

Nach derart widersprüchlichen Angaben stellt sich der Eindruck ein, dass das österreichische Unternehmen alleine schon mit seinen Kommunikationsaufgaben überlastet ist. Und tatsächlich ist der Gegenstand der T-Systems Pressemitteilung, dass diese die montax-Aufgaben im Rahmen eines Outsourcing-Vertrages übernimmt. Ob diese Information allerdings geeignet ist, Bedenken gegenüber dem Verfahren auszuräumen?



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