03.03.2005

Wir_wollen_helfen, können es aber nicht

Bei der gemeinsamen Spendenaktion für die Tsunami-Opfer haben sich weder die Deutsche Post WorldNet noch eBay mit Ruhm bekleckert.

Zu dieser Einschätzung kommt der "stern" in seiner heutigen Ausgabe und verweist unter anderem auf die vielen Pannen, die bei der Aktion "Wir wollen helfen" aufgetreten sind. Doch mit dieser Feststellung betritt das Magazin keineswegs Informations-Neuland. Schon vor zwei Wochen hat Alexander Gronen (Wortfilter.de) für die PR-Aktion der teilnehmenden Unternehmen deutliche Worte gefunden. Er spricht von einer Blamage für die Beteiligten.

In der am 21. Februar veröffentlichten Pressemitteilung beider Unternehmen zeigt man sich zwar vom Verlauf der Spendenaktion noch positiv überrascht, denn immerhin konnten der Aktion "Ein Herz für Kinder" 2,2 Millionen Euro übergeben werden. Doch schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass bei der Aktion vieles schief gegangen war. Immerhin waren nur 93,7 Prozent (heute 94,4%) der Bewertungen positiv. Und das, obwohl man der Übersicht leicht entnehmen kann, dass viele positive Bewertungen nur erfolgten, weil die Aktion an sich gutgeheißen wurde.

Dabei dürften die meisten Fehler bei der SE.LL-Service GmbH & Co. KG in Braunschweig zu suchen sein, an die alle bei den Postfilialen abgegebenen Spenden geliefert wurden. Wie man auch der Pressemitteilung entnehmen kann, war dieses Unternehmen zunächst einmal hoffnungslos überfordert. Zwar wurde personell sehr schnell aufgestockt, doch mehr als durchschnittlich 5.000 Auktionen konnten täglich wohl nicht eingestellt werden. Schon das führte zu langen Lieferzeiten sowie lieblosen Artikelbeschreibungen, die "selten größer als ein Halbsatz" waren und "oft völlig an der Sache vorbei" gingen. Verwechslungen beim Versand sowie unvollständige und beschädigte Sendungen scheinen ebenfalls an der Tagesordnung gewesen zu sein.

Dabei kann sicher nicht immer der SE.LL GmbH die ganze Schuld gegeben werden. Vielfach scheinen auch die Spender das Angebot genutzt zu haben, um ihren Haushalt zu entrümpeln, und um beispielsweise Elektronikschrott loszuwerden. So werten jedenfalls einige Käufer die von ihnen erhaltenen Waren.

Allerdings hatte gerade die lieblose Abfertigung der Auktionen durch SE.LL eine sehr negativen Nebeneffekt: Wie Gronen erbarmungslos vorrechnet, entsprechen 2,2 Millionen Euro Einnahmen bei insgesamt über 200.000 Päckchen gerade mal 11 Euro pro Spende. Und das, obwohl eBay-Anwender doch dafür bekannt sind, schon bei normalen Auktionen oft mehr zu zahlen als den Ladenpreis.

Kurz: Die Motivation für die Spenden-Aktion mag löblich gewesen sein. Die Umsetzung jedenfalls war eher bescheiden und vermutlich sogar eine reine Verschwendung von Ressourcen sowie des guten Willens der Spender und Käufer. Fast schon ein wenig ärgerlich ist da, dass gerade DHL sich nicht besonders spendenfreudig zeigte.

Den Käufern wurden zwar nur 7 Euro Versandkosten angerechnet, obwohl die verschickten Artikel gleich zwei Mal auf die Reise gingen: Erst nach Braunschweig, dann zum Käufer. Allerdings sind 1,4 Millionen Euro Einnahmen an Versandkosten auch nicht von schlechten Eltern. Zumal wie Gronen anmerkt, den DHL-Großkunden teilweise auch saftige Preisnachlässe eingeräumt werden. Und, was man auch anmerken muss, in vielen Beschwerden die nachlässige Verpackung kritisiert wurde.

So ist die Spendenaktion trotz ihres finanziellen Erfolgs im Nachhinein betrachtet fast schon ein Ärgernis. Der PR-Erfolg der teilnehmenden Unternehmen scheint jedenfalls weit größer, als ihr Engagement. Da kann es nicht schaden, wenn nun auch der stern an diesem Glorienschein zu kratzen beginnt.



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