.net Vertrag auf VeriSign zugeschnitten
Die Internet-Verwaltung ICANN hat einen neuen Lagebericht zur anstehenden Neu-Vergabe der .net-Registry veröffentlicht. Dazu zählt auch ein Vertragsentwurf für den neuen beziehungsweise den alten Verwalter.
Insgesamt fünf Bewerber-Anträge liegen der ICANN vor, darunter auch einer der deutschen Vergabestelle Denic eG. Aber auch Aflilias, CORE++ sowie Sentan bewerben sich für die einträgliche Aufgabe. Und selbstverständlich auch VeriSign, seit Jahren Verwalter der TLD und erst durch Zwang gefügig gemacht, nach .org nun auch .net und danach vermutlich auch .com abzutreten (vgl.: "Phase 2 der .Net Ausschreibung beginnt").
Allerdings muss man in diesem Zusammenhang mit dem Wort "vermutlich" vorsichtig umgehen. Denn VeriSign muss die Verwaltung der CNO-Registries zwar abtreten, darf sich aber auch wieder für die Übernahme dieser Aufgabe bewerben. Und gerade bei der .net-Vergabe gilt VeriSign als sehr aussichtsreicher Kandidat. Nicht zuletzt, nachdem sich IBM, MCI Microsoft und Sun für eine Vergabe in bewährte Hände ausgesprochen haben. Microsoft hielt es nicht mal für nötig, diese Erklärung gegenüber ICANN auszusprechen. Man wandte sich lieber gleich an die eigentlichen Entscheider im US-Handelsministerium.
Und vielleicht ist es ein weiteres Menetekel, dass der neue Vertragsentwurf gewissermaßen auf VeriSign zugeschnitten ist. Denn ICANN liegt nach wie vor mit VeriSign im Clinch wegen der nicht genehmigten Einführung des Sitefinder-Dienstes (vgl.: "Sitefinder-Bericht veröffentlicht"). Dabei dreht sich der Streit immer noch um die Frage, ob der bisherige Registry-Vertrag die Einführung eines solchen Dienstes "hergibt". Der neue Vertrag jedenfalls wurde von ICANN so gestaltet, dass ein Dienst wie der von VeriSign geplante der Genehmigung bedarf.
Ob VeriSign aber wirklich in die neue alte Rolle schlüpft, muss sich erst zeigen. Bis zur endgültigen Entscheidung müssen noch viele Verfahrensschritte absolviert werden. Der von ICANN bestellte unabhängige Prüfer, Telcordia Technologies, wird beispielsweise erst noch bei jedem Antragssteller einen Hausbesuch machen. Auch wenn einige Telcordia-Vertretern die zu besuchenden Stationen bereits kennen.
VeriSign zum Beispiel pflegt seit Jahren gute Beziehungen zu Telcordia und beide haben etwa im Jahr 2000 ein gemeinsames ENUM-Projekt vereinbart, um ein System für IP-Telefonnummern zu entwickeln. Doch nicht nur das verbindet. Telcordia soll zwar den Eigentümer wechseln, ist aber zur Zeit immer noch eine Tochter der SAIC, jener etwas von Geheimnis umwitterten Forschungsorganisation, deren Mitarbeiter gleichzeitig ihre Eigentümer sind und die vor ihrer Beschäftigung bei SAIC häufig hohe Ämter etwa bei den US-Geheimdiensten inne hatten. Insofern darf man davon ausgehen, dass alle auch stramme Patrioten sind.
SAIC war aber auch der frühere Eigentümer von Network Solutions. Jenem Unternehmen also, dessen Übernahme VeriSign nicht nur zum Registrar machte, sondern auch die Verwaltung der Registries einbrachte. Die SAIC-Mitarbeiter wiederum verdienten Milliarden an dem Verkauf. Wieviel genau ist bis heute unbekannt. Der vereinbarte Aktientausch hatte jedenfalls einen Wert von 21 Milliarden. Doch das war im Jahr 2000, als die Börsenblase gerade ihr größtes Ausmaß erreicht hatte. Dennoch gibt es auch heute noch Beziehungen zwischen der Telcordia-Mutter und VeriSign. Etwa in Gestalt von William Roper, Vorstandmitglied bei SAIC, Direktor bei VeriSign - und nach Informationen von The Register Mitglied des Telcordia-Prüfungsteams.
Diese Zusammenhänge sind aber nicht erst seit heute bekannt und ICANN wurde schon früher darauf angesprochen. Etwaige Möglichkeiten der Einflussnahme werden jedoch von der ICANN ausgeschlossen. Das sollte man einem fairen Auswahlverfahren auch erwarten. Allerdings würde man auch erwarten, dass in einem solchen Fall ein Prüfer hinzugezogen wird, dem keine Verflechtungen dieser Art anhaften.