cTLDs günstig zu verkaufen...
Die Idee, besonders ambitionierte Firmen mit dem Kauf einer eigenen Top Level Domain zu locken, ist nicht neu. Aber ein neues Angebot dieser Art, für das auch Kunden in Deutschland angesprochen werden, hat eine besonders überzeugende Kulisse zur Täuschung der Kunden entworfen.
Nach den hier vorliegenden Informationen werden derzeit deutsche Unternehmen per Mail und per Telefon dazu aufgefordert, bei Unified Identity Technology (UNDIT) eine eigene Top Level Domain zu registrieren. Das Verkaufsargument muss wohl kaum näher erläutert werden: Was wäre im Sinne der Markenpflege sinnvoller als der Verzicht auf .de oder .com zugunsten einer TLD ".firmenname"?
Genau das verspricht UNDIT seinen potentiellen Kunden. Und das auch noch zu durchaus akzeptablen Preisen, denn die einmaligen Kosten betragen genau 1.000 Dollar. Das ist fast geschenkt, wenn man weiß, welche Summen die deutsche Vergabestelle Denic alleine dafür ausgegeben hat, sich an der Ausschreibung der TLD .net beteiligen zu können.
Dennoch ist der Preis für eine "corporate TLD" nach UNDIT-Machart sehr hoch. Denn leider sind solche Adressen so gut wie unbrauchbar, auch wenn das Unternehmen sich die größte Mühe gibt, einen anderen Eindruck zu erwecken. So wurde zu diesem Zweck eine Art Spiegelbild des heutigen Internet und seiner Organisationen aufgebaut, wobei reale Erscheinungen und UNDIT-Artefakte sehr gelungen miteinander verwoben sind.
Um dies zu veranschaulichen: UNDIT rühmt sich unter anderem damit, vom "Internet Names Authorization & Information Center" (INAIC) anerkannt zu sein, dem "offiziellen Repräsentanten des Public Root", zuständig für das "next Generation global Internet".
Dieses globale Internet der nächsten Generation wird auch als "Internet2" bezeichnet und in die Nähe des Internet2 des amerikanischen Bildungssystems gerückt. Mit diesem hat das Internet2 von UNDIT allerdings nichts zu tun.
Das Internet2, wie es von UNDIT und dem ICANN-Doppelgänger INAIC beschrieben wird, basiert vielmehr auf dem schon genannten Public Root. Darunter wird der Zusammenschluss von 13 weltweit verteilten Root Servern verstanden, die das Rückgrat des Domain Name Systems bilden.
Auch damit soll eine Parallele zum "normalen" Internet hergestellt werden, denn auch dort sind bekanntlich 13 Root Server dafür verantwortlich, auf höchster Hierarchie-Ebene die Datenströme zu lenken. Doch 13 Server alleine sind nicht alles. Viel wichtiger ist, dass sich alle Betreiber eines Name Servers weltweit darauf verständigen, diese Server auch zu benutzen. Bei den herkömmlichen Root Servern kann man davon ausgehen. Bei den Root Servern von Public Root dagegen nicht.
Doch in dieser und ähnlicher Form wird eine täuschend echt Kulisse um UNDIT und die mit diesem Unternehmen verbundenen "Organisationen" aufgebaut. Eine virtuelles Gegen-Internet, das hier mit etwas "IPv6" gewürzt und an anderer Stelle mit "internationalisierten Domain Namen" angereichert wird. Peinlich nur, dass alle genannten und noch einige andere Organisationen unter der gleichen IP von einem Provider in Amsterdam gehostet werden.
Was bleibt, ist also ein hanebüchener Info-Mix, der Laien durchaus authentisch erscheinen mag. Denn auch bei anderen Abkürzungsfanatikern vom Schlage der Denics, ICANNs oder IANAs erhalten Außenstehende ein ähnliches Fachchinesisch.
Nur eben, dass man dort keine eigene unnütze "cTLD" für teuer Geld erwerben kann. Denn unnütz sind die CTLDs auf jeden Fall, solange sie im "normalen" Internet nicht aufgelöst werden. Da dies nicht der Fall ist und in absehbarer Zukunft auch nicht der Fall sein wird, bleiben die verkauften cTLDs wohl dem Gebrauch auf Visitenkarten vorbehalten. Dafür aber sind 1.000 Dollar doch etwas zu viel verlangt.