Google 'befreit' Opera?
Seit der vergangenen Woche verschenkt Opera seine Browser-Software für PCs. Google scheint an dieser Entscheidung nicht ganz unbeteiligt.
Wie in der vergangenen Woche schon vermutet, bedeutet der Verzicht auf die Einnahmen aus dem Lizenz-Geschäft auch einen Strategie-Wechsel des Unternehmens. Wie der Journalist Om Malik die Situation einschätzt, konnte Opera bei bisher etwa 100.000 verkauften Lizenzen pro Jahr gerade 3,9 Millionen Dollar an Einnahmen auf diesem Weg erzielen.
Das mag im Vergleich zu den Zahlen anderer Unternehmen nicht sehr viel erscheinen. Doch angesichts von Gesamteinnahmen in der Größenordnung von 28 Millionen Dollar pro Jahr dürfte sich dieser Wegfall durchaus bemerkbar machen. Und das gilt noch viel stärker, als die kostenlose Abgabe des Browsers nun auch mit einem Verzicht auf die Werbeeinnahmen verbunden ist. Denn bisher wurde Opera ja auch in einer werbefinanzierten Version kostenlos abgegeben.
Mittel- bis langfristig könnten die Einnahmenverluste zwar durch die neuen Service-Lizenzen sowie durch die Lizenzen für mobile Browser-Produkte kompensiert werden. Gerade im letztgenannten Bereich ist noch mit einiger Bewegung zu rechnen. Doch zunächst einmal dürfte die mutige Entscheidung Operas zu einem nicht unerheblichen finanziellen Engpass führen.
Dieses Problem hat auch den für Business 2.0 arbeitenden Journalisten interessiert und er hat bei Opera nachgebohrt. Das Ergebnis: Die kostenlose Abgabe der Browser-Software war erst möglich, nachdem zuvor mit einigen Suchmaschinen "Kompensations-Deals" geschlossen werden konnten. Auch mit eBay und Amazon wurden solche Verträge geschlossen, doch der wichtigste Partner ist nach Angaben eines Firmensprechers die Suchmaschine Google.
In welcher Größenordnung sich diese Verträge bewegen, konnte Malik allerdings auch nicht in Erfahrung bringen. Er verweist in diesem Zusammenhang aber auf gerüchteweise bekannt gewordene Informationen, wonach Google sich auch bei Firefox für den dort integrierten Google-Suchschlitz mit beträchtlichen Summen revanchiert. Über 30 Millionen Dollar zahlt die Suchmaschine angeblich jährlich an die Mozilla Stiftung.
Opera dürfte zwar kaum in diesem Umfang bedacht werden, denn die Zahlen der Opera-Nutzer liegen weit hinter jenen von Firefox zurück. Doch das dürfte ein zusätzliches Argument für die kostenlose Abgabe der Browser-Software gewesen sein. Denn nach der Freigabe des Browsers besteht die Möglichkeit, dass sich der Marktanteil Operas um einiges erhöht.
So kommt es, dass Malik nun die Behauptung aufstellen kann, "Google hat Opera kostenlos gemacht". Doch über den Nebeneffekt dieser "Befreiungsaktion" verliert er kein Wort. Obwohl man sich schon fragen sollte, auf wessen Kosten die von Opera angestrebte Erhöhung der Marktanteile erfolgen wird.