Vom Justizopfer zum Recht(ein)haber
So ändern sich die Zeiten: Im vergangenen Jahr wurden die hinter der Parodie-Site JibJab stehenden Brüder zum "Opfer" einer ungerechtfertigten Klage eines Musikverlages. Jetzt drohen sie selbst mit Klage.
Als der Musikverlag Ludlow Music gegen die JibJab-Brüder ein Verfahren wegen der Benutzung des Titels "This Land is my Land" einleitete, war die Empörung groß. Immerhin hatte der Autor des Lieds, Woodie Guthrie, auch bei diesem Titel seine Standard-Urheberrechtserklärung gebraucht: "Dieses Lied ist unter der Copyright Nummer 154085 für 28 Jahre urheberrechtlich geschützt und jeder, der dabei ertappt wird, es ohne unsere Erlaubnis zu singen, wird ein mächtig guter Freund von uns sein, denn wir geben nichts drauf. Veröffentlicht es. Schreibt es. Singt es. Jodelt es. Wir haben es geschrieben, mehr wollten wir nicht".
Die Klage wurde dann von dem Verlag zwar zurückgezogen. Doch vermutlich nicht, weil die Verantwortlichen ein Einsehen zeigten und einer Nutzung für parodistische Zwecke zustimmten. Vielmehr hatte die Bürgerrechtsbewegung EFF recherchiert und dabei festgestellt, dass der Titel schon wesentlich früher als angenommen von Guthrie veröffentlicht worden war. Eine vom Verlag vorgelegte Verlängerung des Urheberrechtsanspruchs wäre im Fall eines gerichtlichen Verfahrens wahrscheinlich als unwirksam abgelehnt worden.
JibJab stand damals als großer Sieger da und kurz darauf stellte sich auch der wirtschaftliche Erfolg ein. Yahoo, Microsoft und sogar die Brauerei Anheuser-Busch vereinnahmten die Gebrüder. Doch dieser Erfolg scheint den beiden Komikern nun auch ein anderes Rechtsgefühl vermittelt zu haben. Denn heute gehen sie selbst gegen den Betreiber der Site "The Black Lantern" vor, weil dort in einem Musikvideo 9 Sekunden ihrer "This Land"-Parodie für den Hintergrund verwendet wurden.
Es handelt sich dabei um ein Musikvideo für das bereits seit Wochen kursierende Musikstück "George Bush Doesn't Care About Black People" der Rapper-Gruppe "The Legendary K.O." Der Betreiber der "schwarzen Laterne" hat dieses Musikstück mit Zustimmung der Band als Grundlage für ein Musikvideos benutzt. Die politische Botschaft des Videos ist es, dass US-Präsident George W. Bush schwarze Amerikaner "nicht mag".
Doch diese Nutzung im politischen Sinn wollten die JibJab-Brüder nicht hinnehmen und forderten The Black Lantern zur Unterlassung auf. Dieser Forderung wurde schließlich Folge geleistet und die 9 strittigen Filmsekunden wurden durch anderes Material ersetzt. Doch die originale Version des Videos wird immer noch auf anderen Sites veröffentlicht.
Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern. Erst recht nicht, nachdem JibJab mit der juristischen Keule gedroht hat. Denn inzwischen hat beispielsweise das "Berkeley Intellectual Property Weblog" in einer rechtlichen Analyse festgestellt, dass die Nutzung der Filmszenen nach US-Rechtsstandards nicht zu bemängeln ist.
Schon gar nicht, wenn man die gleichen Argumente zur Rechtfertigung der künstlerischen Nutzung verwendet, wie JibJab es im vergangenen Jahr getan hat.