02.12.2005

Rufmord via Wikipedia

John Seigenthaler ist nicht irgendwer. Der 1927 geborene Journalist war Herausgeber einer Tageszeitung und gilt als Gründungsmitglied der USA Today. Unter anderem war er auch Mitarbeiter und Freund des ermordeten US-Präsidenten John F. Kennedy. Doch wer sich zwischen Mai und September dieses Jahres bei Wikipedia über John Seigenthaler Sr. informieren wollte, erfuhr dort, dass dieser an der Ermordung Kennedys beteiligt war und danach 13 Jahre in der Sowjetunion verbrachte. Den heute 78 Jahre alten Mann trifft diese üble Nachrede sehr. Vor allem, weil er sich ihr hilflos ausgesetzt sieht. Gegen Mitglieder des Ku Klux Klan und Polit-Kriminelle konnte er sich in seiner Jugend aktiv zur Wehr setzen, gegen heutige Wikipedia-Vandalen ist er machtlos. Nicht einmal den Urheber des Rufmords kann er ausfindig machen. Der Vorgang heizt damit erneut die Diskussion um die Zuverlässigkeit der freien Enzyklopädie an. Richtig ist sicher, dass solche Vorgänge vor allem bei Einträgen möglich sind, die weniger häufig konsultiert werden. Doch für Betroffene ist das kein Trost. Wobei Seigenthaler noch den Vorzug genießt, eine Klarstellung in "seinem" Medium veröffentlichen zu können. Doch auch diese Popularität hat ihren Preis. Sein Wikipedia-Eintrag wurde in den letzten zwei Tagen mehrere hundert Mal überarbeitet. Teilweise, um die üblen Beschimpfungen wieder zu entfernen, die dort immer wieder eingetragen wurden.



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