02.08.2000

Top-Sites nutzen Apache

Eine neue Studie zeigt, dass insbesondere stark besuchte Sites auf den kostenlosen Apache-Server setzen.

Die Streitigkeiten um die verschiedenen Server-Statistiken ähneln Glaubenskriegen. Unterschiedliche Ansätze sorgen für höchst unterschiedliche Antworten auf die Frage, welcher Server der Beste ist. Jetzt ist wieder eine neue Studie aufgetaucht, die nochmals einen anderen Weg einschlägt.

Bei dieser von der Firma Server Security veröffentlichten "gewichteten" Untersuchung wurde zunächst eine Rangreihe der Bekanntheit einzelner Sites gebildet. Server Security ermittelte dabei innerhalb einer Gruppe von ingesamt 75.000 Sites die Top 50, die Top 250 und die Top 1000 bekanntesten Auftritte aus. Grundlage dieser Einordnung ist die Zahl der Links, die auf diese Sites gerichtet sind. Hier geht es also indirekt um die Leistungsfähigkeit der Server-Software, denn man sollte davon ausgehen können, dass besonders populäre Server auch besonders hohe Besucherzahlen verkraften können.

Die vor wenigen Wochen vom ENT-Magazin veröffentlichten Studie hatte sich ebenfalls auf vergleichsweise kleine Stichproben gestützt. Hier ging man allerdings von der Unternehmensgröße aus. So wurde ermittelt, welche Serversoftware bei den Fortune 500 verwendet wird, also den 500 größten US-Unternehmen.

Bei der schon seit vielen Jahren stattfindenden Netcraft-Studie dagegen wird eine Art Vollerhebung angestrebt. Inzwischen wird dort die Verteilung der Serversoftware auf über 18 Millionen Sites überprüft.

So unterschiedlich wie diese Ansätze, so unterschiedlich sind auch die Ergebnisse der Studien.

Bei der ENT-Studie dominierte der Microsoft IIS, der auf 41 Prozent aller Sites eingesetzt wurde. Die (kostenpflichtige) Netscape-Software dagegen war auf 35 Prozent der Rechner zu finden. Apache-Software wurde nur auf 15 Prozent der Sites verwendet.

Bei der Netcraft-Studie dominiert dagegen spätestens seit 1997 die Apache Software als am häufigsten genutzter Server. Bei der letzten Messung hatte Apache einen Anteil von 62,8 Prozent. Ein weiteres Fünftel (20,4%) nutzt demnach Microsoft-Produkte, während nur noch etwa 7 Prozent Netscape-Server einsetzen.

Die neue Studie von Server Security liefert nochmals ein anderes Bild. Berücksichtigt man nur die Top 50 der Sites, so werden auf fast 75 Prozent der Rechner Apache- (31,3%), Netscape- (23,1%) und Microsoft-Server (17,6%) eingesetzt.

Bei den Top 1000 gilt das sogar für fast 90 Prozent der Rechner. Doch dort zeigt sich ein klarer Vorsprung für Apache: 60,6 Prozent aller Sites nutzen demnach die kostenlose Software. Netscape (15,3%) und Microsoft (11,3%) landen dagegen weit abgeschlagen auf Platz 2 und 3.

Sicherlich hat die Studie von Server Security ebenso ihre methodischen Schwächen wie die beiden anderen genannten Untersuchungen. Schließlich vernachlässigt Netcraft beispielsweise den Umstand, dass Apache häufig auf Sites genutzt wird, die virtuelles Hosting anbieten. Die Verteilung ist daher mit allergrößter Wahrscheinlichkeit "schief".

Dennoch bestätigt die neue Studie in etwa die Ergebnisse der Netcraft-Studie, denn auch sie geht von einer klaren Dominanz der Apache-Software aus. Dass Server Security dabei nur Sites ausgewählt hat, die vermutlich besonders hohe Nutzerzahlen aufweisen können und von denen Exremleistungen verlangt werden, sollte Entscheidern zu denken geben.

Das wird auch durch einen kleinen Hinweis untermauert, den die Netcraft-Betreiber ganz am Rand erwähnen. Demnach hat Hotmail nun endlich mit der Umstellung von Apache auf Microsoft begonnen. Der Umstand, dass die schon vor Jahren von Microsoft aufgekaufte Site noch immer das Konkurrenzprodukt nutzte, ist ein "running gag" vor allem in der Linux-Szene.

Bis jetzt ist die Umstellung aber erst auf maximal 10 Prozent des Hotmail-Rechnerpools erfolgt. Es wird in wenigen Wochen sicher spannend zu sehen, ob Hotmail wirklich alle Rechner umstellt, oder ob es bei diesen zaghaften Versuchen bleibt.

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