01.03.2006

ICANN gibt VeriSign den Zuschlag

Trotz des entschiedenen Widerstandes aus den Reihen der Registrars hat sich die Internet-Verwaltung für den umstrittenen Vertrag mit VeriSign entschieden. VeriSign wird nun - ohne Ausschreibung - bis zum Jahr 2012 die Verwaltung der .com Registry weiterführen und dabei nach Einschätzung des Vertragsgegners BulkRegister über 3 Milliarden Dollar an Einnahmen erzielen. Zusätzlich beinhaltet der Vertrag eine Klausel, die VeriSign eine automatische Vertragsverlängerung auch nach dem Jahr 2012 garantiert. Domain-Inhaber werden sich nun also in den kommenden Jahren auf stetig steigende Domain-Preise einrichten können und Internet-Unternehmen weltweit dürfen davon ausgehen, dass die bislang wichtigste Top Level Domain auch weiterhin fest in der Hand des US-Unternehmens bleibt. Allerdings könnte sich die Internet-Verwaltung mit dieser fragwürdigen Entscheidung einen Bärendienst erwiesen haben. ICANN hat gezeigt, dass selbst wichtigste Entscheidungen nicht nach den Regeln getroffen werden, denen sich die Nonprofit-Organisation eigentlich verpflichtet fühlen sollte. Die deutliche Kritik aus den Reihen der Registrars (vgl. Archiv) wurden von ihr ebenso ignoriert wie die Bedenken von Regierungen. Ob dieser Affront folgenlos bleiben wird, bleibt abzuwarten. Doch sollte man nicht vergessen, welche Macht gerade den Registrars zukommt. Wenn sie es wollten und sich beispielsweise auf den "verrückten Plan" des Juristen Bret Fausett einlassen würden, wäre der neue ICANN-Vertrag mit VeriSign innerhalb weniger Stunden Geschichte. Sie müssten sich lediglich darauf einigen, eine eigene, von VeriSign unabhängige Registry zu betreiben. Doch dafür müssten die Verantwortlichen der Unternehmen Rückgrat zeigen. Das ist leider nicht ganz so einfach, wie sich in Pressemitteilungen über die Ungerechtigkeit der ICANN-Entscheidungen zu ergießen.



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