13.03.2006

Blogs - Anlasser für die Anmache?

"Warum lesen Menschen eigentlich Blogs?" fragt sich der US-Medienwissenschaftler Simon Dumenco und liefert auf diese Frage seiner Profession gemäß auch gleich eine Antwort, "weil sie flachgelegt werden wollen". Nun ist es ja nicht schwer, das gesamte menschliche Handeln auf den Fortpflanzungstrieb zurückzuführen. Doch laut Dumenco erhöht das Lesen von Blogs merklich die Chancen, andere kennen zu lernen und es erhöht die sexuelle Anziehungskraft des Einzelnen. Denn Blogs vermitteln Einblicke in die Popkultur und das erhöht den Punktwert ihrer Leser auf der virtuellen Skala der sozialen Erwünschtheit. Dem widerspricht ein anderer Medienwissenschaftler wiederum entschieden: Robert Thompson ist sich sicher, dass das Lesen von (noch) mehr Blogs etwa so hilfreich ist, wie das 50. Mal den "Herrn der Ringe" zu verschlingen. Womit er wohl zum Ausdruck bringen will, dass Blogs ohnehin nur die Medienrealität abkupfern, und dass die alleinige Versorgung mit Informationen aus dieser Ecke zu einer Art "Verlangweilisierung" der Leser führt. Tatsächlich bestätigt auch Dumenco, dass die ausschließliche Informationsbeschaffung in der Blogosphere zu negativen Auswirkungen führen kann. Er spricht in diesem Zusammenhang von "obsessivem, hermetisch-versiegeltem Selbst-Referentialismus''. Doch immerhin kann er mit seiner "Blogs-machen-sexy" These punkten, wenn es um die Erklärung geht, warum das Phänomen des "Flashmobbing" so schnell wieder absterben musste: Existenzieller Bestand eines Flashmobs ist es, dass er sich ebenso schnell wieder auflöst, wie er entstanden ist. Doch damit werde den einzelnen Teilnehmern auch die Möglichkeit genommen, sich kennen zu lernen. Und damit hat das Phänomen Flashmob vor den strengen Augen der Evolution versagt, denn es behindert die Fortpflanzung stärker, als dass es sie fördert.



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