Web 2.0 als Marke geschützt
Am Begriff "Web 2.0" scheiden sich die Geister. Dem einen kommt es einer Erleuchtung gleich, für den anderen ist es nichts weiter als ein Sammelbegriff für eine ganze Reihe abgedroschener Phrasen. Selbst Wikipedia-Autoren, die sich durch Web 2.0 am ehesten angesprochen fühlen sollten, sehen darin nur "eher vage - eine veränderte Wahrnehmung und Nutzung des Internet". Doch diese Beschreibung muss jetzt wohl ergänzt werden, denn Web 2.0 kann zumindest in einem Punkt klar definiert werden: Es handelt sich bei Web 2.0 um eine eingetragene Marke des Messeveranstalters CMP Media. Dieser richtet in Zusammenarbeit mit dem Verleger Tim O'Reilly von O'Reilly Media eine jährliche Konferenz aus und hat dazu den Begriff Begriff 2.0 in verschiedenen Ländern schützen lassen. Dieser Besitzanspruch ist insofern nachvollziehbar, als O'Reilly wesentlich zur Füllung des Begriffs beigetragen hat. Und auf Grundlage dieser - noch nicht abgeschlossenen - Markeneintragung wollten die Anwälte des Messeunternehmens es nun dem irischen Konferenzveranstalter it@cork untersagen, im kommenden Monat ebenfalls eine Veranstaltung unter dem Titel "Web 2.0" auszurichten. Doch die Juristen hatten offenbar nicht damit gerechnet, dass über ihre Abmahnung - typisch Web 2.0 - in einem Web Log berichtet wird und man eine Kopie des Schreibens bei Flickr veröffentlicht. Die Resonanz auf dieses Vorgehen scheint beträchtlich gewesen zu sein, denn schon am folgenden Tag nahmen die Anwälte ihre Forderungen zurück und gestatteten - angeblich wegen der kurzen Vorlaufzeit zum Konferenzbeginn - die Nutzung der Marke. Allerdings nur dieses eine Mal. Eine weitere Nutzung der Marke soll danach nicht mehr gestattet werden. Schließlich kann es ja nicht angehen, dass jeder alles einfach so benutzen darf. Auch wenn manche meinen, genau das sei der Kerninhalt des Web 2.0.