13.06.2006

Gelockerte Vergaberichtlinien für .fr

Frankreich hat nach wie vor sehr strenge Richtlinien für die Domain-Vergabe unter .fr. Doch das wird sich mit dem 20. Juni ändern, wie der Luxemburger Registrar EuroDNS in einer Pressemitteilung erwähnt. Dann treten die bereits im März von der AFNIC beschlossenen Änderungen in Kraft, wonach es künftig nicht mehr nur Firmen, Institutionen und Markeninhabern gestattet wird, eine eigene Domain zu besitzen. Auch Privatpersonen dürfen - sofern sie volljährig sind - eine Domain erwerben. Und in der Lesart von EuroDNS muss man dazu nicht einmal Franzose sein. Es genügt eine "Adresse in Frankreich, vorzugsweise kein Postfach". Dazu sollte man allerdings wissen, dass AFNIC wahrscheinlich eine weniger saloppe Sicht der Dinge hat. Das zeigte sich deutlich, als die Registry im Jahr 2004 über 4.500 Domains ausländischer Domain-Inhaber einfach kündigte, die über EuroDNS registriert worden waren (vgl. Archiv). Auch bei diesen Domains hatten die Luxemburger sich rein formell an die Vergaberichtlinien gehalten. Denn alle Domains waren auf einen französischen EuroDNS-Mitarbeiter angemeldet, der die verlangten Bedingungen erfüllte. Doch AFNIC sah in diese Untervermietung beziehungsweise in der stellvertretenden Anmeldung einen Verstoß gegen den "Geist" der eigenen Charta. Und da einige der so angemeldeten Domains auch noch Markenansprüche verletzten, entschieden die Gerichte teilweise im Sinn der französischen Registry. Wie allerdings die jüngste Entwicklung zeigt, kann sich auch AFNIC einer weiteren Liberalisierung der Domain-Vergabe nicht verschließen. Denn schon die bisherige Beschränkung auf französische Unternehmen hielte vermutlich einer juristischen Überprüfung nicht stand. Etwa, wenn es um die Einhaltung der Europäischen Grundfreiheiten (z.B. Dienstleistungsfreiheit, freier Warenverkehr) geht. So steht AFNIC einerseits also schon unter Druck, die Richtlinien zu lockern. Andererseits sollte man versuchen, als Ausländer nicht gegen irgendwelche "Geister" der AFNIC-Charta zu verstoßen. Denn sonst könnte es passieren, dass AFNIC wieder sehr schnell und sehr hart zuschlägt.



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