Bedroht das Internet die Printwelt?
Erstmals seit Jahren gehen die Umsatzzahlen der Presse-Grossisten in den Keller. Das Internet wird aber nicht als Gefahr gesehen.
Der Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten (Presse-Grosso) hatte gestern auf seiner Jahresversammlung in Baden-Baden keine erfreulichen Neuigkeiten zu berichten.
Die Verkaufszahlen über den Groß- und Einzelhandel sind nach einer jahrelangen Phase der Stagnation im Jahr 1999 und auch im ersten Halbjahr 2000 erstmals rückläufig. Der Absatz an insgesamt verkauften Exemplaren sank alleine im letzten Jahr um 3 Prozent.
Dies bedeutet noch keine finanziellen Umsatzeinbrüche, weil dieses Ergebnis durch Verkaufsumschichtungen und Preiserhöhungen aufgefangen werden konnten. Dennoch müssen sich die Grossisten fragen, worin die Ursachen dieser Entwicklung bestehen.
Erstaunlicherweise kommen sie dabei zu dem Ergebnis, dass es sich nicht um eine Folge des Internet handeln könne. Zur Begründung führen sie an, dass laut verschiedenen Studien das Internet zwar die Fernsehnutzung reduziere, nicht aber das Leseverhalten negativ beeinflusse.
Bleibt die Frage, ob es nicht noch weitere Probleme in diesem Zusammenhang zu bedenken gibt. So konzentrieren sich amerikanische Marktprognosen nicht nur auf die Frage der Mediennutzung.
Oft wird in diesem Zusammenhang beispielsweise das Problem der Kleinanzeigen thematisiert. Diese bilden sowohl durch ihren Verkauf, aber auch durch die zusätzlichen Verkaufszahlen bei den Trägermedien eine wichtige Einnahmequelle. Das Internet konkurriert aber mittlerweile in beachtlichem Maße mit diesem Anzeigentypus. Dies gilt beispielsweise für die Automobilbranche.
Marktplätze wie mobile.de, auf denen über 300.000 Fahrzeuge (incl. Fotos) gezielt nach Preisstaffelung, Ort, Typ und vielen anderen Kriterien recherchiert werden können, machen Printanzeigen praktisch überflüssig.
So leichtfertig sollten die Grossisten daher nicht über die Frage hinweggehen, ob das Internet eine Bedrohung für ihre Branche darstellt. Zwar hat das Internet auch einen positiven Einfluss bei den Verkaufszahlen für Computerbücher und -zeitschriften.
Doch es stellt in einigen Bereichen auch eine ernste wirtschaftliche Bedrohung dar, der sich die Printwirtschaft stellen muss.