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| Virtueller Stromverbrauch | | Drucken | |
| Mittwoch, 06.12.2006 | ||||||||
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Der Buchautor Nicholas Carr macht in seinem Web Log "Rough Type" eine interessante Rechnung auf. Ausgehend von der Frage des Bloggers Tony Walsh, ob virtuelle Realitäten auch ökologische Vorteile mit sich bringen, berechnet Carr den Stromverbrauch eines Avatars. Er benutzt dazu zunächst Zahlen, die Philip Rosedale von Linden Lab bekannt gegeben hat. Sein Unternehmen betreibt mit Second Life eines der bisher erfolgreichsten virtuellen Spiele der westlichen Welt. Rosedale gab in einem Interview mit MSNBC vor wenigen Tagen an, dass mittlerweile 4.000 Server in verschiedenen Kolokationen benötigt werden, um Second Life zu betreiben. In einem Podcast wiederum, das Tony Walsh zitiert, erwähnte Rosedale, dass die Zahl der gerade aktiven Spieler regelmäßig zwischen 10.000 und 15.000 schwankt. Im Durchschnitt sind also 12.500 Avatars online. Unter der Voraussetzung, dass pro PC eines jeden Spielers ein Verbrauch von etwa 120 Watt anzusetzen ist, und dass jeder der 4.000 Server (inclusive Klimaanlage) etwa 250 Watt verbraucht werden, kommt Carr zu dem Ergebnis, dass jeder der 12.500 Avatars 4,8 Killowattstunden täglich verbrät. Was einem Jahresverbrauch von 1.752 Kilowattstunden entspricht. Diese Zahl wiederum lässt sich ins Verhältnis setzen, wenn man diesen Verbrauch den Durchschnittswerten gegenüberstellt, die beispielsweise bei Earthtrends für alle Länder dieser Welt gespeichert werden. Laut diesen Statistiken verbraucht ein Avatar beträchtlich weniger Strom als ein Bewohner eines entwickelten Landes, wo durchschnittlich 7.702 kWh pro Jahr verheizt werden. Im Vergleich zum Durchschnitt der Entwicklungsländer (1.015 kWh) verbraucht der Avatar dagegen eine ganze Menge Energie. Sein Verbrauch entspricht etwa dem eines Verbrauchers in Brasilien. Insoweit könnte man also sagen, dass eine Existenz in einer virtuellen Realität zumindest in den Industrieländern zu einer positiven Energiebilanz führt. Allerdings darf man nicht vergessen, dass "Second Life" eine zweite Existenz ist, bei der der Energieverbrauch der "ersten Existenz" keineswegs auf Null gefahren wird. Vermutlich müsste man also zu dem errechneten Wert auch noch den Verbrauch des nebenbei laufenden Fernsehgeräts, des Kühlschranks und anderer Geräte hinzufügen.
Gleichzeitig
unterschlägt diese Rechnung aber auch, dass der Spieler während seiner
Spielzeit an anderer Stelle Energie spart. Denn er könnte ebensogut
während dieser Zeit mit seinem Auto durch die Gegend fahren, um
nicht-virtuelle Gesprächspartner zu finden. Die Frage nach dem
ökologischen Vorteil bleibt also offen.
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