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| Second Life, sekundäre PR | | Drucken | |
| Mittwoch, 04.04.2007 | ||||||||
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Linden Lab, Betreiber der 3D-Simulation "Second Life", lässt wirklich keine Gelegenheit aus, die kostenlose Publicity verspricht.
Neuestes Beispiel für ein PR-Event: "Wir haben das FBI mehrfach eingeladen, sich bei Second Life umzuschauen und alle Bedenken zu äußern (...) wir wissen von mindestens einer Gelegenheit, bei der Bundesbeamte sich in einem virtuellen Spiel-Casino umgesehen haben", meint Ginsu Yoon, der neue Vizepräsident fürs Business und frühere Chefberater von Linden Lab. Der Besuch des FBI hatte demnach keinerlei Folgen und man kann vermuten, dass dieser Besuch nur deshalb beobachtet werden konnte, weil die von Linden Lab angebotenen Zugangsdaten genutzt wurden. Überhaupt dürfte das Glücksspiel eines der kleinsten Probleme von Second Life darstellen. Die drei größten Casinos der virtuellen Welt erzielen geschätzte Einnahmen von zusammen 1.500 Dollar pro Monat. Vermutlich wird in jedem US-Studentenwohnheim jeden Monat mehr verzockt und sogar Bingo-Abende im Altersheim dürften ein Vielfaches einbringen. Doch Reuters - bei Second Life mit einem eigenen Büro vertreten - nimmt auch diese Banalität dankbar auf und produziert die Schlagzeile "FBI überprüft Glücksspiel in Second Life". Solche und ähnliche Nichtereignisse haben inzwischen dazu geführt, dass Second Life vor allem für PR-Schmarotzer und zeilenweise bezahlte Seitenfüller von Bedeutung ist. Kein Tag, an dem nicht irgend ein "erstes" oder "virtuelles" Wasauchimmer in Second Life "an den Start geht", oder "auch das Sterben" dort eine "zentrale Rolle" spielt. Doch wie lange sich auf dieser Welle wohl noch reiten lässt? Vielleicht nur noch solange, bis die von Second Life vorgelegten Nutzungsdaten in Betracht gezogen werden und die Pressevertreter nicht mehr wie bisher gebetsmühlenartig auf die vielen Millionen registrierter Mitglieder verweisen. Solche Nutzungsdaten existieren durchaus: Linden Lab gibt mit Stand vom 31. März an, dass sich in den letzten 7 Tagen 350.000 der 5,2 Millionen registrierten Mitglieder eingeloggt haben. Im gesamten Februar haben knapp 230.000 Mitglieder in der virtuellen Welt mit mindestens einem Linden-Dollar gezahlt, wobei neue Testmitglieder auch leicht an eigenes Geld kommen. Wie viele dieser Benutzer angesichts der ständig hohen Wachstumsraten Newcomer sind, kann man nur ahnen.
25.000
SL-Mitglieder hatten im Februar einen "Positive Monthly Linden Dollar
Flow" also einen Überschuss erwirtschaftet. Bei den meisten (13.490)
von ihnen betrug der Gewinn aber weniger als 10 US-Dollar. Gerade etwa 600
Händler hatten einen Überschuss von mehr als 1.000 US-Dollar. Soviel
zur viel gerühmten virtuellen Wirtschaft von Second Life. Es ist nicht zuletzt aufgrund solcher Zahlen anzunehmen, dass Second Life nur eine eher kleine Nischengemeinschaft bedient und in der Hauptsache ein typisches Probierangebot des Internet ist: Einmal getestet, haben viele schon genügend Erfahrungen gesammelt, um nie mehr zurückzukehren - registrierte Mitglieder bleiben sie aber trotzdem. Die Zahl der "Testpersonen" aber steigt mit jedem Pressebericht über die "virtuelle Revolution" beziehungsweise über "FBI-Ermittlungen" im zweiten Leben. Und die sich aus diesem Mechanismus ergebenden Zahlen werden im nie endenden virtuellen Sommerloch des Internet weiterhin gerne reproduziert. Je nach Standpunkt ein Teufelskreis oder ein perpetuum mobile.
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