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| Meinungen in Corporate Blogs? | | Drucken | |
| Montag, 02.07.2007 | ||||||||
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Ein Posting in einem der vielen Web Logs der Suchmaschine Google macht deutlich, wie kritisch solche "Corporate Blogs" für die externe Kommunikation eines Unternehmens sein können. Eine Google-Mitarbeiterin hatte im noch recht neuen "Health Advertising Blog" den Werbekunden nahe gelegt, dem erwartbar negativen Effekt des Films "Sicko" durch Werbeanzeigen entgegen zu wirken. Im BoingBoing-Blog wird diese Botschaft sogar noch prägnanter verkürzt: "Google an Gesundheitsunternehmen: Bezahlt uns und wir werden 'Sicko' entschärfen". So formuliert wäre die Aufforderung der Google-Mitarbeiterin schon fast als Aufruf zum Verstoß gegen Googles eigene Richtlinien zu verstehen. Denn die Content Policy (deutsche Fassung) der Suchmaschine verbietet ausdrücklich Werbung, die sich gegen eine Person oder Organisation richtet. Allerdings vermeidet die Autorin einen derart deutlichen Aufruf und umschreibt ihre Empfehlung vielmehr mit allgemeinen Worten. Ihre Botschaft lautet, dass Michael Moores Film über das marode Gesundheitssystem der USA sich für eine einseitige Form der Darstellung entschieden hat und bedauerliche Ausnahmen des Systems in dem Film zu alltäglichen Ereignissen stilisiert werden. Die Autorin empfiehlt auch, dass die Gesunderheitsorganisationen solchen Fehldarstellungen mit eigene Informationen begegnen kann. Und um diesen Informationen ein Publikum zu verschaffen, empfiehlt sie die Benutzung der Werbemöglichkeiten Googles. Sie empfiehlt aber nicht wörtlich, Anzeigen zu buchen, die beim Suchbegriff "Sicko" eingeblendet werden. Doch auch unausgesprochen ist es klar, dass dies die Empfehlung der Autorin wäre. Das aber darf nicht die Empfehlung Googles sein, denn dem (immer noch) guten Image der Suchmaschine könnte es schaden, sich gegen einen populären Systemkritiker wie Moore zu stellen. Vor allem dann, wenn gleichzeitig eine Parteinahme mit der Gesundheitsindustrie erfolgt, die Google selbst einen finanziellen Vorteil verschafft. Also rudert die Google-Frau schon am Sonntag wieder zurück und erklärt in einem weiteren Posting, dass sie nur ihre eigene Meinung zu dem Film wiedergegeben hat, und dass dies nicht die Meinung ihres Arbeitgebers war.
Woran
sich aber die Frage anschließt, ob denn ein Unternehmen überhaupt eine
Meinung haben kann. Diese Frage muss verneint werden, denn nur Menschen
haben Meinungen und sind in der Lage, diese Meinungen einem "Tagebuch"
anzuvertrauen. Wenn ein Unternehmen diese Meinungen aber nicht wünscht,
dann sollte es auch auf Tagebücher im Stile der "Corporate Blogs"
verzichten und stattdessen lieber Pressemitteilungen verfassen. Die
kann man dann auch beim Wort nehmen.
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