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| "Die kopieren das ganze Internet" | | Drucken | |
| Donnerstag, 08.11.2007 | ||||||||
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Im Zusammenhang mit dem geplanten Immunisierungsgesetz der USA für Telefongesellschaften und Internet Provider, die sich an rechtswidrigen staatlichen Überwachungsmaßnahmen beteiligt haben, rührt ein einzelner Mann zur Zeit in Washington kräftig die Trommel: Mark Klein, heute 62, war in den vergangenen Jahren Techniker mit Management-Funktionen bei AT&T. Er hat die Abhörmaßnahmen des Nachrichtendienstes NSA unmittelbar beobachten können und macht seine Erfahrungen nun öffentlich. Eine Entlassung oder andere Konsequenzen von Seiten AT&T muss er nicht mehr fürchten, denn er ist seit 2004 nicht mehr im Dienst. Doch bereits im Sommer 2002 empfing er erstmals einen Vertreter der "National Security Agency". Und schon innerhalb des folgenden Jahres wurde ihm zunächst anhand von Firmenunterlagen klar, dass sich die Behörde Zugang zu "massiven Mengen an Mails, Suchen und andere Internet-Aufzeichnungen von mehr als einem Dutzend globaler und regionaler Telekommunikationsunternehmen" verschafft hatte. Doch nicht nur das: Klein räumt auch mit Schutzbehauptungen auf. So etwa mit jener, dass es bei den Abhörmaßnahmen immer nur um Gespräche und andere Kommunikationsvorgänge mit Auslandsbezug gegangen sei. Mit diesem Argument hatte die US-Regierung beziehungsweise das US-Justizministerium versucht, die Lauschaktionen zu legitimieren. Denn nur ein Belauschen der Kommunikation von US-Bürgern ist rechtswidrig. Laut Klein wurde jedoch bei der Datensammlung in keinster Weise selektiert. Mit der Unterstützung von AT&T wurde "wie mit einem Staubsauger" die Internet- und telefonische Kommunikation gewöhnlicher US-Bürger aufgesogen. Dazu wurde beispielsweise bei AT&T ein Raum eingerichtet, in dem alle Internet-Daten von AT&T sowie der Peering-Links zu anderen großen Providern abgefangen wurden. Bei den wichtigsten dieser Peering-Schnittstellen zu anderen Netzen spricht er von einem Datendurchsatz von 2,5 Gigabit pro Sekunde. Der Raum, der dazu eingerichtet worden war, befand sich in einem anderen Gebäude als Kleins Arbeitsplatz. Doch bei einem Besuch dort ließ er sich von einem ebenfalls ausscheidenden Mitarbeiter die Schaltpläne zeigen und erkannte, dass alle Datenströme des Internet Exchange Punktes im Raum über diesem "secret room" von der NSA angezapft worden waren. Das bedeutet laut Klein, dass NSA die Datenpakete von unter anderem Global Crossing, UUNet, Level 3 Sprint und Qwest aufsaugte. Außerdem sollen alle Daten der großen Austauschpunkte MAE-West und Palo Alto Internet Exchange (PAIX) betroffen gewesen sein. Damit dürfte auch ein beträchtlicher Teil der internationalen Internet-Daten beteiligt sein. Klein dazu im Wortlaut: "Ich flippte aus (...) Die kopieren das ganze Internet. Da gab es keine Auswahl. Vielleicht selektierten sie später, doch am Punkt der Übergabe an die Regierung bekamen sie alles". Der Netzwerkbetreiber Qwest, dessen Daten demnach auch gesammelt wurden, hat sich nach eigenen Angaben einer Datenweitergabe verschlossen. Somit wären bei AT&T auch Daten ohne Zustimmung einzelner Provider gesammelt worden. Die von NSA erhobenen Daten scheinen dabei laut Klein übrigens auch schon vor Ort analysiert worden zu sein. Denn wie er einem weiteren Dokument entnehmen konnte, wurde in dem geheimen Raum auch Vorrichtungen zur semantischen Traffic-Analyse des Herstellers Narus installiert. Somit wird es wahrscheinlich, dass die von Präsident Bush angeordneten Maßnahmen eine Inhaltsanalyse von Teilen oder auch des gesamten Internet-Datenverkehrs betrafen.
Bush
war es übrigens auch, der Klein zu seinem jetzigen Auftreten in der
US-Hauptstadt veranlasste. Denn dieser verteidigte die NSA-Maßnahmen
öffentlich damit, dass es dabei ausschließlich um Telefongespräche
zwischen vermutlichen Terroristen im Ausland mit inländischen
Anschlüssen ging. Doch das entspricht laut Klein nicht der Wahrheit.
Das Ausmaß der Lauschaktionen war viel größer. Und das will Klein nun
den Kongress-Abgeordneten vermitteln.
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