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Seit einigen Tagen pflanzt sich eine bereits bekannte Spam-Masche jetzt auch noch telefonisch fort. Eine Stimme vom Tonband erklärt dem unaufgefordert Angerufenen mit sonorer Stimme, dass neue Post im Konto bei Nachbarschaftspost.com eingetrudelt ist. Befolgt man die Anweisungen, willigt man ganz nebenbei in ein kostenpflichtiges Abo ein und macht sich zum Freiwild für weiteren Werbe-Spam.
Besucht man die
angegebene Adresse nachbarschaftspost.com, so findet man sich auf einer
Oberfläche wieder, die sich nicht an den wiederkehrenden Besucher
wendet, sondern an den erstmals Geleimten. "Rufen Sie jetzt Ihre
Nachricht ab, um zu erfahren, wer sich für Sie interessiert" heißt es
dort unter anderem auffordernd. Und auch die Eingabe des telefonisch
übermittelten dreistelligen Codes erfolgt an prominenter Stelle.
Zusätzlich wird man aber aufgefordert, erst die eigene Telefonnummer
anzugeben sowie den vollen Namen und auch die Mail-Adresse. Der
freundliche Ton der Ansprache verliert sich ganz, wenn man das weiß
auf orange geschriebene Kleingedruckte liest, das im Footer der
Startseite unter "Werbeeinverständnis" verlinkt wird. Demnach willigt
man nämlich in die Nutzung der angegebenen Daten für weitere
Werbe-Mails, -Anrufe und -SMS ein.
Besonders kundenfreundlich: "Diese
Einwilligung kann ich jederzeit mit Wirkung für die Zukunft schriftlich
per Brief widerrufen". Doch wen soll man anschreiben? Denn die in
diesem Text genannte "netsolution FZE" hat ihren Sitz (angeblich) in
Dubai, wobei lediglich eine Postfachadresse angegeben wird. Ein separat
genanntes "Servicecenter Europe" soll in der Schweiz zu finden sein.
Gleiches kann man von einer Telefonnummer nicht behaupten. Nur für
Fax-Anschreiben wird eine internationale 01805er-Nummer angegeben.
Diese Nummer dürfte in den kommenden Wochen noch reichlich strapaziert
werden, denn wer sich neugierig auf die angebliche Post vom Nachbarn bei nachbarschaftspost.com eingeloggt
hat, hat sich laut AGB des Dienstes bereit erklärt, einen
kostenpflichtigen Dienst zu nutzen. Und das sind bei der Vertragsdauer
von 2 Jahren (mit automatischer Verlängerung) und 9 Euro Monatsgebühr
immerhin 216 Euro.
Das heißt, der Anbieter zeigt sich großzügig und
gestattet den Zugang "bereits im Rahmen des gesetzlichen 14-tägigen
Widerrufsrechts". Danach wird dem Nutzer in "bestimmten Fällen" eine
Verlängerung des Testzeitraums zugestanden. Dies zu akzeptieren, dürfte
allerdings weitere Probleme mit sich bringen, denn dann "geht die
Testphase automatisch in den Vertrag über". Außer, er kündigt während
des so verlängerten Testzeitraums - nach den Regeln des Anbieters.
Für
einen Anwalt wäre es wohl ein Leichtes, dieses auf einer gezielten
Täuschung ("Sie haben Post von einem Nachbarn") aufbauende und mit
einem unerwünschten Werbeanruf eingeleitete Vertragswerk aufzudröseln.
Doch solche Nepp-Angebote basieren darauf, dass viele Verbraucher sich
dem Juristenlatein der AGB beugen und lieber zahlen. Zumal es dem
arglosen Opfer nicht unwahrscheinlich erscheinen muss, am Ende auch noch auf
den Anwaltskosten sitzen zu bleiben.
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