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| Archiv-Fund führt zu Bruchlandung | | Drucken | |
| Donnerstag, 11.09.2008 | ||||||||
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Auch vier Tage, nachdem der Aktienkurs der US-Fluggesellschaft United Airlines innerhalb weniger Minuten um drei Viertel zusammenbrach und der Handel ausgesetzt werden musste, sind die Ursachen des Fiaskos noch nicht ganz klar. Bekannt ist bisher nur, dass ein bereits im Jahr 2002 verfasster Artikel der Chicago Tribune es am Wochenende auf der Startseite der Online-Zeitung in die Rubrik der am häufigsten gelesenen Artikel schaffen konnte. Wie es dazu kam, bleibt im Dunkeln. Man kann allenfalls vermuten, dass an diesem Wochenende viele US-Bürger nach Informationen über eventuelle Verzögerungen der Flüge suchten und dabei häufiger auf diesen Archiv-Beitrag stießen. Dem Robot der Google News war es jedenfalls gleich, ob dieser häufig gelesene Artikel der Tribune schon sechs Jahre auf dem Buckel hatte, und erntete den Text auftragsgemäß. Vermutlich über den Benachrichtigungsdienst (Google Alert) von Google News gelangten dann Kopien des Beitrags per Mail an einen breiten Kreis von Interessenten sowie an den Börsen-Dienst Bloomberg, der die Meldung ebenfalls weiter verbreitete. Und da dem Bericht der Chicago Tribune ein Datum fehlte, genügte schon die Überschrift bei vielen Empfängern, um eine Verkaufsorder abzugeben. Damit aber setzte eine Lawine von Verkäufen ein, die noch dazu von automatisierten Systemen verstärkt wurde, weil diese bei bestimmten Kursverläufen ebenfalls einen Verkauf veranlassen. So kam es, dass der Aktienkurs des Unternehmens innerhalb von nur 15 Minuten von über 12 Dollar auf 3 Dollar absackte. Vielleicht wäre er sogar noch weiter gefallen, wäre der Handel an der Nasdaq nicht ausgesetzt worden. Die Frage, wem nun die Hauptschuld an dem Vorfall zu geben ist, bleibt bis heute ungeklärt. Die Einen sehen in der Zeitung den Hauptschuldigen, weil der Artikel selbst kein Datum trug, sonder nur die Kommentare. Die anderen sehen darin ein Versagen Googles, weil der News-Aggregator der Suchmaschine unkritisch Nachrichten zusammen sucht. Auch die Existenz der automatisierten Broker-Aufträge gerät in diesem Zusammenhang in die Kritik. Vermutlich müsste man aber auch den Empfängern der Alert-Mails eine Teilschuld zusprechen. Hätten sie den Artikel auch nur ansatzweise gelesen, hätte sich die Stampede vielleicht vermeiden lassen. Doch die Überschrift reichte offenbar schon aus, um die individuellen Prognosen der Anleger zu bestätigen.
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