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| AP kündigt Kampagne gegen Missbrauch an | | Drucken | |
| Dienstag, 07.04.2009 | ||||||||
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Den Zeitungen (nicht nur) in den USA geht es schlecht - und damit auch den Agenturen, die diese Zeitungen mit Nachrichten versorgen. Die amerikanische Nachrichtenagentur AP (Associated Press) reagiert darauf einerseits mit Preisnachlässen sowie andererseits mit einer Kampfansage an alle, die das Material der Agentur im Internet "missbrauchen".
Der Vorstandsvorsitzende der Agentur Dean Singleton meint dazu in einer Pressemitteilung, "wir können nicht länger dabeistehen und zuschauen, wie andere unter fehlgeleiteten rechtlichen Theorien mit unserer Arbeit abziehen". Daher will AP nun ein System entwickeln, mit dem online verbreitete Inhalte verfolgt werden können, um zu überprüfen, ob sie legal verwendet werden. Wesentlich mehr Informationen liefert der AP-Manager dazu nicht - und tut gut daran. Was Singleton nämlich hier als einfache Urheberrechtsverletzung skizziert, ist vermutlich ein wesentlich komplexeres Problem, das auch mit dem Internet zu tun hat, aber nicht nur. Hilfsmittel, um "einfache" Urheberrechtsverletzung in Form der Übernahme ganzer Meldungen oder Artikel zu erfassen, gibt es ohnehin schon lange. Dienstleister bieten solche Services an und können auch abgewandelte Text-Varianten erkennen. Im einfachsten Fall genügt es, bei Google nach solchen Zweitverwertungen zu suchen. Was Singleton in diesem Fall als fehlgeleitete rechtliche Theorie bezeichnet, dürfte in erster Linie die in den USA weit verbreitete Auffassung sein, dass vollständige Texte im Sinne der "fairen Nutzung" übernommen werden dürfen. Wobei diese Annahmen gar nicht zwingend fehlgeleitet sind. Nur muss eine eventuell rechtswidrige Übernahme etwa im Zusammenhang mit kritischen Äußerungen jeweils im Einzelfall geprüft und nachgewiesen werden. Eine Arbeit, die ein Robot nicht leisten kann. Die regelmäßige Übernahme von Inhalten dagegen ist rechtlich schon eindeutiger als Verstoß zu werten. Zumindest dann, wenn die Texte vollständig übernommen werden. Erfolgt die Übernahme dagegen nur auszugsweise - wie etwa bei den Google News - ist die Situation schon schwieriger zu bewerten. Auseinandersetzungen zu diesem Problem gab es auch im Fall der Google News schon, doch wurden diese Probleme in den USA - anders als in Belgien - bisher meist außergerichtlich gelöst. Das gilt selbst für das Verfahren der AP gegen den Aggregator Moreover (VeriSign). Obwohl dort sogar teilweise die Meldungen im Volltext abgerufen werden konnten, einigte man sich auf eine Schlichtung. Überhaupt scheint ein Teil der Probleme bei AP hausgemacht. Nach Darstellung der FR kritisieren beispielsweise die US-Zeitungen als AP-Kunden und Miteigentümer, dass die Agentur sich in den letzten Jahren inhaltlich zu sehr an Internet-Größen wie Google und Yahoo oder auch CNN und Microsoft ausgerichtet habe. Damit haben die Zeitungen an Attraktivität verloren, was ihren Niedergang beschleunigte. Zugleich aber entwickelten sich die Internet-Unternehmen auch zum wichtigeren Geldgeber der Agentur. Nur noch ein Viertel der Einnahmen der Agenur soll von den Zeitungen stammen, was definitiv zu einem Konflikt führt. Denn die Agentur befindet sich überwiegend im Besitz der Zeitungen, doch die Einnahmen der Agentur werden vom wichtigsten Konkurrenten der Zeitungen, dem Internet geliefert. In dieser verfahrenen Situation hilft es wenig, mit der Entwicklung von Robots zu drohen, die Urheberrechtsvergehen aufspüren. Vielleicht kann es aber im Sinne einer FUD-Kampagne ("Fear Uncertainty and Doubt") dazu beitragen, dass weniger Blogger sich inhaltlich mit den Nachrichten auseinandersetzen. Denn das ist tatsächlich eines der Hauptprobleme der Agenturen und Zeitungen. Gerade im Mitmach-Netz ging die einstige Versorgungsstruktur "von oben nach unten" mit Nachrichten durch die Massenmedien verloren. Das Kürzel "RTFA" (Read the fucking Article"), das man häufig in Foren oder Blog-Kommentaren liest, bringt das zum Ausdruck: Vielfach werden die von den Agenturen oder auch Medien recherchierten Meldungen gar nicht mehr im Original gelesen, sondern in Postings auf das Wesentlichste reduziert und gerne auch unbelastet von Hintergrundwissen diskutiert. Das kommt vielleicht teilweise einem Bedürfnis der Leser entgegen, wie es auch in Boulevard-Blättern befriedigt wird. Doch diese Form der Zweitverwertung lässt sich weder technisch noch rechtlich bekämpfen. Nachrichteninhalte können nicht geschützt werden.
In dieser
Hinsicht steht die AP also klar auf verlorenem Posten. Weshalb eine
andere Strategie, die Singleton ankündigt, möglicherweise erfolgreicher
sein kann. Und zwar für die Agentur und ihre Eigentümer zugleich. Denn der AP-Chef teilt mit, dass es insbesondere im Bereich der lokalen
Nachrichten Änderungen geben soll. Hier bietet sich den Zeitungen
möglicherweise noch Raum, in dem sie die Krise überstehen können. Doch
das würde auch bedeuten, dass Zeitungen einen Teil ihrer heutigen
Funktion verlieren.
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