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| Twitter - ein Netzwerk für Fans? | | Drucken | |
| Freitag, 05.06.2009 | ||||||||
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Twitter ist nach den Ergebnissen einer neuen Harvard Studie in gewissem Sinne mit Wikipedia zu vergleichen. Denn bei dem sozialen Netzwerk ist ähnlich wie bei der Online-Enzyklopädie ein Bruchteil der gesamten Anwenderschaft für den Löwenanteil der Inhalte verantwortlich.
Mit diesem Vergleich dürften die Ähnlichkeiten allerdings schon aufhören, denn dem Twitter-User stehen nur 140 Zeichen für die Informationsweitergabe zur Verfügung. Was keinesfalls für Beiträge ausreicht, die der Wikipedia würdig wären. Doch bei Wikipedia ist dieses Missverhältnis eigentlich Programm, denn man sollte bei einer Enzyklopädie annehmen, dass Wenige ihr Wissen vielen Anderen zur Verfügung stellen. Bei Twitter dagegen geht es um Kommunikation und da sollte man erwarten, dass alle Teilnehmer gleichermaßen zu diesem Ziel beitragen. Doch das ist ganz offensichtlich nicht so, denn nur 10% der Twitter-User produzieren 90% der Inhalte. Ein Viertel der Benutzer schreibt sogar keinen einzigen Tweet und die Hälfte der Benutzer maximal 1 Tweet während des für die Statistik zugrunde gelegten Zeitraums von 74 Tagen. Doch der Mittelwert aller Benutzer liegt in diesem Zeitraum bei stolzen 26,7 Tweets. Auch was das Verhalten der Follower angeht, deckt die Studie Interessantes auf. Die Wissenschaftler fassen die bisher vorliegenden Ergebnisse der Forschung zum Thema "soziale Netzwerke" so zusammen, dass sich in einem typischen Netzwerk (z.B. Facebook, MySpace) die "meiste Aktivität auf Frauen fokusiert - Männer folgen den Inhalten von Frauen, die sie kennen, oder auch nicht und Frauen folgen den Inhalten von Frauen, die sie kennen".Männer dagegen erhalten bei Facebook und MySpace normalerweise nur geringe Aufmerksamkeit. Nicht von anderen Männern und auch nicht von Frauen. Bei Twitter scheint dieses Bild allerdings umgekehrt, denn dort haben Männer im Schnitt 15% mehr Follower als Frauen. Das, obwohl mehr Frauen (55%) Twitter benutzen als Männer (45%). Was auch damit zu tun haben kann, dass es bei Männern häufiger reziproke Beziehungen gibt, bei denen Männer sich wechselseitig als Follower eintragen. Insgesamt ist es jedenfalls doppelt so wahrscheinlich, dass ein Mann einen anderen Mann verfolgt, als eine Frau. Doch auch dann, wenn man das Verhalten der Frauen alleine betrachtet, zeigt sich ein Ungleichgewicht: In 45% der Fälle verfolgt eine Frau eine Frau, aber in 56% einen Mann. Durch ein geschlechtsspezifisch ungleiches "Tweeting-Verhalten" kann dieser Unterschied nicht erklärt werden, denn Männer wie Frauen sind in gleichem Maße aktiv. Auch wenn mit Oprah Winfrey und ihren 1,3 Millionen Followern die Statistik der Studie scheinbar widerlegt wird, drängt sich ein Verdacht auf. Die große Zahl der vermutlich eher passiven Follower und die geringe Zahl der aktiven Tweeter könnte den Eindruck erwecken, dass Twitter in Wirklichkeit kein soziales, sondern ein hierarchisches Netzwerk ist, in dem Fans ihren vorwiegend männlichen "Helden" folgen. Der Erfolg von Ashton Kutcher oder Stephen Fry spricht für diese Einschätzung und die von Twitter zur Verfolgung vorgeschlagenen populären Twitterer sind auch überwiegend männlichen Geschlechts - wenn sie nicht gerade "Dell Outlet" heißen. Vielleicht vermittelt - überspitzt ausgedrückt - der Empfang von Botschaften der vergötterten Vorbilder eine Art Grenzerfahrung (Liminalität), in der man sich diesen Personen nahe oder gleichgestellt fühlt ("MCHammer hat mir wieder geschrieben"). Vieles spricht für ein solches "Stalking des kleinen Mannes", eine wenngleich einseitige, aber dennoch individuelle Kommunikation mit dem sonst unerreichbaren Wesen. Sollte das der Daseinszweck Twitters sein, dann liegt darin auch das eigentliche Geschäftsmodell des Dienstes verborgen. Denn was wäre besser für den Handel mit Merchandising-Artikeln als ein direkter Draht zu den Fans? Man dürfte es nur nicht zu sehr an die Öffentlichkeit bringen, dass sich die echten Stars zu fein zum Twittern sind.
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